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Publikationen

Inselromane

Adam Oehlenschlägers Roman 'Die Inseln im Südmeere' / 'Øen i Sydhavet' im Dialog mit J. G. Schnabels 'Insel Felsenburg'

Julia Meier

Tübingen: Francke 2022 (= Beiträge zur Nordischen Philologie, Band 70)

Seiten: 274

ISBN: 978-3-7720-8760-8

EUR: 68,00

 

Mit seinem zweisprachigen Roman gestaltete Oehlenschläger auf der Basis von Schnabels Insel Felsenburg ein völlig neues Werk. Durch die Fülle von Reflexionen, Prätexten, Zitaten, lyrischen Einlagen, Novellen sowie dem Einbezug von Schnabels zentralen Strukturen und Hauptfiguren entstand ein vielschichtiger und dynamischer Text, der aber bisher beim Lesepublikum und in der Forschung nur wenig Beachtung gefunden hat. Die vorliegende Untersuchung beleuchtet anhand von Bachtins und Kristevas Polyphonie- und Intertextualitätstheorien die Mehrstimmigkeit und Vielfalt des Romans, wobei die Zweisprachigkeit ebenso einbezogen wird wie die verschiedenen Fassungen, die von der Erstausgabe teilweise stark abweichen. Detaillierte Analysen zeigen, dass der Roman zu seiner Zeit neuartige literarische Verfahren für die Textproduktion fruchtbar machte.

'Grundlinien zum Systeme der Aesthetik' (1824) und andere kunstphilosophische Schriften

Eingeleitet, herausgegeben und übersetzt von Klaus Müller-Wille

Johan Ludvig Heiberg

Berlin/Boston: de Gruyter 2022 (= Kierkegaard Studies. Monograph Series, Band 43)

Seiten: 514

ISBN: 978-3-11-076148-1

EUR: 133,95

Open Access: https://doi.org/10.1515/9783110761658

 

Der Band versammelt Erstübersetzungen der wichtigsten ästhetischen Schriften des dänischen Philosophen Johan Ludvig Heiberg (1791–1860). Darüber hinaus enthält der Band die erste Edition des Manuskripts Grundlinien zum Systeme der Aesthetik, das er 1824 auf Deutsch in Kiel verfasste.

In der Kierkegaard-Forschung der letzten Jahrzehnte ist wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich die Schriften des Philosophen nur vor dem Hintergrund seines dänischen Umfelds verstehen lassen. Besonders prägend ist insbesondere die Auseinandersetzung mit den Schriften Johan Ludvig Heibergs, der nicht nur die erste dänische Einführung in Hegels Philosophie publizierte, sondern der sich schon sehr früh darum bemühte, dessen dialektisches Denken für ästhetische Reflexionen zu nutzen, in denen er sich auch und gerade mit Phänomenen der Gegenwartskultur – wie etwa dem Kopenhagener Tivoli oder dem Pariser Vaudeville – beschäftigte. Kierkegaards eigene ästhetische Reflexionen lassen sich letztlich nur im Kontext dieser sehr spezifischen Hegel-Rezeption verstehen. Mit der vorliegenden Anthologie wird dieser wichtige Kontext auf Deutsch zugänglich gemacht. Die Publikation richtet sich aber nicht nur an Kierkegaard-Expert/-innen, sondern auch an Philosoph/-innen, die sich für die frühe Rezeption von Hegels Schriften und insbesondere für die Hegelianische Ästhetik interessieren.

Chronotopische Insularitäten

Zur Inseldarstellung in den skandinavischsprachigen Literaturen um 1900 und der Gegenwart

Philipp Wagner

Wien: Praesens 2022 (= Wiener Studien zur Skandinavistik, Band 30)

Seiten: 253

ISBN 978-3-7069-1154-2

EUR: 27,70

Inhaltsverzeichnis

 

Das Buch untersucht Inseldarstellungen in skandinavischsprachigen Prosatexten und fokussiert dabei auf die Inseln zugeschriebenen zeitlichen und räumlichen Eigenschaften. Diese Eigenschaften werden unter Rückgriff auf einen Begriff Michail Bachtins sowie Erkenntnisse aus literatur- und kulturwissenschaftlichen Diskursen als chronotopische Insularitäten bezeichnet. Für die Interpretation chronotopischer Insularitäten entwickelt das Buch ein Analysemodell, welches narratologische Methoden mit zeit- und raumsoziologischen Theorien kombiniert. Mit Blick auf die westlich-europäische Literaturgeschichte erfolgt anschließend die Identifizierung von vier Szenarien chronotopischer Insularität, in denen Inseln aufgrund ihrer zeitlichen und räumlichen Eigenschaften aus einer kontinentalen Perspektive als ‚anders‘ im Gegensatz zum sog. Festland erscheinen. Anhand der Analyse ausgewählter Beispiele zeigt das Buch jedoch, dass Inseln in den skandinavischsprachigen Literaturen um 1900 und der Gegenwart nicht einfach Schauplätze für zeitliche und räumliche ‚Andersartigkeit‘ sind. Vielmehr dienen Inseln in den analysierten Texten der Darstellung einer potenziellen Vielfalt von Zeit- und Raumkonzepten. Die Texte grenzen sich somit von früheren Inseldarstellungen ab, reflektieren diese und geben zugleich Anlass, zukünftig die Vielfalt und damit einhergehende Parallelität von Zeit- und Raumkonzepten als Kennzeichen der Moderne zu untersuchen.

Grenz\Raum / Grænse\Region

Dänisch-deutsche Geschichte(n), 1920–2020 / Tysk-danske historie(r), 1920–2020

Bernd Henningsen, Clemens Räthel und Paul Greiner (Hg.)
Rombach Wissenschaft 2022
Seiten: 264
ISBN 978-3-96821-845-8
EUR: 25

 

Im März 1920 fand in Südschleswig eine Volksabstimmung über den Verlauf der deutsch-dänischen Grenze statt. Die Mehrheit votierte für den Verbleib bei Deutschland. Zuvor hatte sich Nordschleswig für Dänemark entschieden. Mit dieser, im Versailler Friedensvertrag verfügten Abstimmung, war die Grenzziehung demokratisch legitimiert. Der 100. Jahrestag wurde zum Anlass für das »Deutsch-dänische kulturelle Freundschaftsjahr 2020« sowie für eine Ausstellung in Flensburg: »Perspektivwechsel 2020 – 100 Jahre Grenzgeschichten«. Eine Vielzahl von Exponaten erzählte die Geschichte und das Leben der Region und stellte Fragen nach dem Sinn und Zweck von Grenzen überhaupt. Dieser Band lässt die Ausstellung weiterleben und richtet in kurzen wissenschaftlichen Beiträgen den Blick auf Geschichte, Gegenwart und Zukunft der deutsch-dänischen Grenzregion.

 

I marts 1920 fandt en afstemning sted i Sydslesvig om forløbet af den dansk-tyske grænse. Flertallet stemte for at forblive tysk. Forinden havde Nordslesvig stemt for at høre til Danmark. Med denne afstemning, som var en del af Versailles-fredstraktaten, blev grænseforløbet demokratisk legitimeret. Hundredårsdagen for denne begivenhed gav anledning til det »Dansk-tyske kulturelle venskabsår 2020« samt til udstillingen i Flensborg med titlen: »Perspektivskifte 2020 – 100 års grænsehistorier«. Et stort antal udstillingsgenstande fortalte om historien og livet i regionen og satte spørgsmålstegn ved meningen og formålet med grænser i det hele taget. Med denne udgivelse lever udstillingen videre og retter med korte videnskabelige tekster blikket mod det dansk-tyske grænseområdes fortid, nutid og fremtid.

Mit dem Buch in der Hand / A Book in Hand

Beiträge zur deutsch-skandinavischen Buch- und Bibliotheksgeschichte. / German-Scandinavian Book and Library History

Marie-Theres Federhofer und Sabine Meyer (Hg./eds.)
Berlin: Nordeuropa-Institut 2021 (Berliner Beiträge zur Skandinavistik, Band 31)
Seiten: 327
ISBN 978-3-932406-46-X
EUR: 44,80

 

Ziel des Sammelbandes ist es, einen Beitrag zu einer materialitäts-orientierten Buchforschung zu leisten. Das Buch als materieller Gegenstand generiert eine Vielfalt kultureller Praktiken: Sammeln, Katalogisieren, Übersetzen oder den Wunsch nach politischer Repräsentation und Identitätsbildung. In den Beiträgen werden bislang wenig erforschte Handschriften und Buchexemplare buchstäblich in die Hand genommen, um die kulturell kodierte und historisch variable Beziehung zwischen Mensch und Buchobjekt in einem deutsch-skandinavischen Kontext zu untersuchen.

 

This anthology is intended as a contribution to research on the materiality of books. The book as a material object generates manifold cultural practices: collecting, cataloguing, translating, or a wish for political representation and identity formation. In the essays contained within, manuscripts and book specimens are literally taken in hand to examine the culturally coded and historically variable relation between humans and the object of the book in a German-Scandinavian context.

 

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Reflexionen und Verwebungen

Wechselwirkungen von ›Natur‹ und ›Mensch‹ in der deutschen und dänischen Gegenwartsliteratur

Dörte Linke

Berlin: Nordeuropa-Institut 2021 (Berliner Beiträge zur Skandinavistik, Band 30)
Seiten: 530
ISBN 978-3-932406-45-4
EUR: 49,80


Die Auseinandersetzung mit Naturphänomenen ist grundlegend für das menschliche Handeln und Denken und die Entwicklung von Kultur. Die Vorstellungen von Natur sind vielfältig und sie verändern sich im Laufe der Zeit. Dabei zeigt sich, dass Naturverhältnisse und anthropologische Konzeptionen in enger Beziehung zueinanderstehen – Naturkonzeptionen sagen etwas darüber aus, wie Menschen über sich selbst und ihren Platz in der Welt denken. Hier setzt die vorliegende Arbeit ihren Schwerpunkt und untersucht die Wechselwirkungen und auch den Wandel der Konzeptionen von ›Mensch‹ und ›Natur‹ anhand von Texten der deutschen und dänischen Gegenwartsliteratur. Beleuchtet wird die Komplexität menschlicher Naturverhältnisse, bislang übersehene Problematiken gegenwärtiger Entwicklungen und die Frage, wie zukünftig ein verantwortungsbewusstes und tragfähiges Zusammenspiel zwischen Menschen und Naturphänomenen aussehen könnte.


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In Search of the Culprit

Aspects of Medieval Authorship

Lukas Rösli und Stefanie Gropper (Hg.)

Berlin/Boston: De Gruyter 2021 (= Andere Ästhetik – Studien, Band 1)

Seiten: 298

ISBN: 9783110725339

Open Access Publikation: https://doi.org/10.1515/9783110725339
 
Despite various poststructuralist rejections of the idea of a singular author-genius, the question of a textual archetype that can be assigned to a named author is still a common scholarly phantasm. The Romantic idea that an author created a text or even a work autonomously is transferred even to pre-modern literature today. This ignores the fact that the transmission of medieval and early modern literature creates variances that could not be justified by means of singular authorships. The present volume offers new theoretical approaches from English, German, and Scandinavian studies to provide a historically more adequate approach to the question of authorship in premodern literary cultures. Authorship is no longer equated with an extra-textual entity, but is instead considered a narratological, inner- and intertextual function that can be recognized in the retrospectively established beginnings of literature as well as in the medial transformation of texts during the early days of printing. The volume is aimed at interested scholars of all philologies, especially those dealing with the Middle Ages or Early Modern Period.

Den Ädelmodiga Abbedissan / Die edelmütige Äbtissin

eller De åter förenade Emigranterne. Af Emelie Pettersson. / oder Die wieder vereinten Emigranten. Von Emelie Pettersson.

Clemens Räthel (Hg.)

Berlin: Nordeuropa-Institut 2021 (Berliner Beiträge zur Skandinavistik, Band 28)

Seiten: 245

ISBN: 978-3-932406-43-0

EUR: 39,80

 

Um 1820 verfasst Emelie Pettersson das Drama Die edelmütige Äbtissin als Geschenk für die schwedische Prinzessin Sofia Albertina. In diesem Band feiert die vergessene Handschrift eine Wiederauferstehung. Das älteste Drama einer Autorin auf Schwedisch mutet dabei ungemein modern an: Es erzählt von Krieg, Flucht sowie Asyl und stellt eine handlungsstarke Herrscherin ins Zentrum. Begleitet wird das Stück von Beiträgen, die den Text, die Beschenkte sowie historische und literarische Zusammenhänge beleuchten.

 

Omkring 1820 skriver Emelie Pettersson sitt drama Den Ädelmodiga Abbedissan som gåva till den svenska prinsessan Sofia Albertina. I föreliggande volym återuppstår den bortglömda handskriften. Det äldsta hittills kända svenskspråkiga dramat av en kvinnlig författare framstår som mycket aktuellt: Det berättar om krig, flykt och asyl samtidigt som det fokuserar på en kvinnlig huvudperson med stark handlingsvilja. Teaterstycket åtföljs av ett antal bidrag som belyser texten samt berörda historiska och litterära sammanhang.

 

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Gedanken über die Gestalt der Erde

oder Fonton Freemassons Abenteuer

Johan Krook

Hrsg. von Klaus Müller-Wille

Wehrhahn Verlag 2021

Seiten: 264

ISBN: 978-3-86525-843-4

EUR: 22,00

 

1741 erschien in Stockholm ein unter dem Titel Tanckar om Jordens Skapnad eller Fonton Freemassons Äfwentyr (Gedanken über die Gestalt der Erde oder Fonton Freemassons Abenteuer) angekündigter Text, der nicht nur als erste Science-Fiction-Erzählung, sondern auch als erster gedruckter originaler Roman überhaupt in die Literaturgeschichte Schwedens eingegangen ist. Über den Autor des unter dem Pseudonym Anticthon publizierten Buchs ist nur wenig bekannt. Der studierte Philosoph Johan Krook stammt aus Finnlandschweden und war als Sekretär am Königlichen Hof in Stockholm tätig.
Dass er über ein stupendes naturwissenschaftliches wie philosophisches und vor allem literarisches Wissen verfügte, wird an seiner Mondreise deutlich. In seinem Roman verknüpft Johan Krook nämlich die in den zeitgenössischen Naturwissenschaften vieldiskutierte Frage nach der spezifischen – käse-, ei- oder zitronenförmigen – Gestalt der Erde auf subtile Weise mit den Paradoxien, die sich aus dem Versuch ergeben, das eigene Ich zu beobachten. Zumindest lernt der Erzähler dieses Romans, seine Wahrnehmungen und Urteile in seiner Begegnung mit den Mondmenschen und vor allem mit den Vertretern eines auf dem Mond beheimateten klosterartigen Ordens kritisch zu hinterfragen. Eine weitere zentrale Rolle in dem von zahllosen intertextuellen Anspielungen durchsetzten Text spielt ein merkwürdiger Flaschenberg, in dem Restbeständen menschlichen Wissens und Unwissens verwahrt werden, die durch eine geheimnisvolle Kraft vom Mond angezogen wurden.
Die Edition folgt der Erstausgabe von 1741. Der auch in Schweden nicht wieder aufgelegte Text wird in Faksimile abgedruckt und in einer Übersetzung textgetreu zugänglich gemacht. Eine sorgfältige Kommentierung und ein Nachwort erschließen den historischen Kontext.

Die Welt des Nordens

Zwischen Ragnarök und Wohlfahrtsutopie. Eine kulturhistorische Dekonstruktion.

Bernd Henningsen

Berlin 2021

Seiten: 504

ISBN: 978-3-8305-5101-0 

EUR: 43,00

 

Unser Bild vom Norden Europas ist in der langen Begegnungsgeschichte von Projektionen und Sehnsüchten geprägt: Von Berserkern und Kriegsgräueln, vom schlechten Wetter, einer grandiosen Natur, stabilen Institutionen, von sozialer Vorsorge, Gleichheit und Wohlstand, von Friedfertigkeit, geringer Korruption, von Hygge und Bullerbü – all dies gehört zum Norden-Narrativ.
Aber: Wie steht es tatsächlich um die religiöse, sprachliche und ethnische Homogenität, um die viel gerühmte nordische Zusammenarbeit? Wie „funktioniert“ Politik? Was steckt hinter der Idee vom „nordischen Ton“ in der Musik, vom „nordischen Licht“ in der Malerei? Wie glücklich lebt man im Norden? Was meint der „banale Nationalismus“, wo ist die skandinavische Spaßkultur einzuordnen? Welche Riten bestimmen den Alltag?
Die nordische Exzeptionalität ist eine wohlfeile Konstruktion. Ein exklusives „nordisches“ Modell hat es nie gegeben: Der Norden war und ist integraler Bestandteil der europäischen Zivilisation.
Was wissen wir im Süden vom Norden?

Dänisch-deutsches Freundschaftsjahr 2020

Debatten und Perspektiven

Bernd Henningsen, Clemens Räthel und Paul Greiner [Hg.]

12 Perspektiven, 2 Sprachen, 1 Buch – so lässt sich diese Sammlung von dänischen und deutschen Debattenbeiträgen zum Freundschaftsjahr 2020 zusammenfassen. Die Corona-Pandemie machte viele der geplanten Veranstaltungen unmöglich. Umso lebhafter wurde dafür im Netz über den Status der dänisch-deutschen Freundschaft diskutiert.

Im April 2020 mischten sich in einem Beitrag im NORDEUROPAforum wohlwollende und kritische Töne; die Redaktion forderte zu einer Debatte auf, daraus wurde ein eigener Blog, der sich auch als eine Art Bilanz der dänisch-deutschen Freundschaft lesen lässt.

Aus unterschiedlichen Perspektiven und im Kontext ihrer eigenen Erfahrungswelten blicken die Autor*innen auf das Verhältnis der beiden Staaten. Das Buch versammelt diese Beiträge in ihrer ursprünglichen Form, in der Reihenfolge ihres Erscheinens – ergänzt um ein Interview mit der dänischen Botschafterin in Berlin, Susanne Hyldelund, und einen Aufsatz des deutschen Botschafters in Kopenhagen, Detlev Rünger. Um zu weiteren Gesprächen herauszufordern – nicht zuletzt in der Hoffnung, die Freundschaft zu vertiefen – sind alle Beiträge zweisprachig.

Das Buch kann für den Preis von 10 Euro direkt über das Nordeuropa-Institut bezogen werden.

nordeuropa@hu-berlin.de

Mehr Informationen finden Sie hier.

Das Russlandbild im skandinavischen Kriminalroman

Produktion in Skandinavien und Rezeption im deutschsprachigen Raum

Jennifer Grünewald

Paderborn: Fink, 2021 (= Kulturtransfer und Kulturelle Identität 6)

Seiten: 414

ISBN: 978-3-7705-6599-3

EUR: 129,00

Im skandinavischen Kriminalroman dringt das Verbrechen meist von außen in die Gesellschaft ein und insbesondere Russland gilt als Ursprungsort des Bösen. Damit leistet diese auf dem deutschsprachigen Buchmarkt äußerst populäre Gattung eine Fremdbeschreibung Russlands, die sowohl in Skandinavien als auch Deutschland breit rezipiert wird. Die zentrale Fragestellung dieses Buches geht den Produktions- und Transfermechanismen nach, die bei der Übernahme gesellschaftspolitischer Diskurse und Kontaktereignisse in die Fiktion zum Tragen kommen. Welche Elemente werden für die Beschreibung russischer Figuren verwendet, welche Veränderung erfahren sie über den Zeitraum der letzten fünfzig Jahre und wie vermischen die Erzählungen dabei Fakten und Fiktion? Zusätzlich werden auch die Vermarktungsstrategien bei der Übersetzung ins Deutsche analysiert, sodass anhand dieser Transferkette auch die Distributionswege von Stereotypen offengelegt werden können.

Philosemitische Schwärmereien

Jüdische Figuren in der dänischen Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts

Katharina Bock

A. Francke Verlag: Beiträge zur Nordischen Philologie

Seiten: 264

ISBN: 978-3-7720-8747-9

EUR: 78,00

Dieser Band untersucht anhand ausgewählter dänischer Prosa im 19. Jahrhundert die Ambivalenz philosemitischer Literatur. Es wird gezeigt, wie bestehende Vorstellungen über Juden und Jüdinnen einerseits literarisch entlarvt und gebrochen werden, und wie andererseits jüdische Figuren weiterhin Projektionsfläche und christliches Phantasma bleiben. Philosemitismus wird als spezifisch literarisches Phänomen betrachtet, indem gefragt wird, welche Erzählmöglichkeiten sich durch die jüdischen Figuren im Text eröffnen und was diese Figuren literarisch so attraktiv macht. Obwohl die untersuchten Texte zumeist um das Thema Religion kreisen, interessieren sie sich kaum für das Judentum ihrer jüdischen Figuren. Vielmehr dienen die Juden und Jüdinnen dazu, das Christentum aufzuwerten und zu erneuern.

 

Scandinavian Exceptionalisms

Culture, Society, Discourse

Jens Bjerring-Hansen, Torben Jelsbak, Anna Estera Mrozewicz (eds.)

Berliner Beiträge zur Skandinavistik Band 29

Seiten: 534

ISBN: 978–3–932406–44–7

EUR: 49,80

The concept of ›Scandinavian/Nordic Exceptionalism‹ is used in political science to describe the socioeconomic organization of the Nordic welfare states. The concept references the perception that Nordic countries share in common certain exceptional features. This includes a model of society based on a particular arrangement of relations between the individual, family, state and market. Yet, the perception of Scandinavian Exceptionalism(s) also draws on a set of cultural discourses related to the idea that Scandinavian countries display a specific kind of modernity that manifests itself in such phenomena as sexual liberation, gender equality, and environ-mental awareness. This book is about the discourse of Scandinavian exceptionalisms as it is reflected and negotiated in various domains of 19th, 20th and 21st century culture, including literature, art, cinema, media and interior design. The articles in the book are based on papers from the 2018 IASS Conference, held at the University of Copenhagen.

Dramatische Zeiten

Zeitkonzepte in skandinavischen Theatertexten um 1900 und 2000

Patrick Ledderose

Rombach Wissenschaft, 2021

Das Werk ist Teil der Reihe Nordica (Band 28)

Seiten: 391

ISBN: 978-3-96821-775-8

EUR: 79,00

Das Nachdenken über die Zeit im Drama hat Tradition. Jedoch betrachten bisherige Untersuchungen die Zeit vornehmlich als dramaturgische Größe. Die vorliegende Studie fasst den Zeitbegriff weiter. Typisch moderne Zeitphänomene und -erfahrungen, wie zum Beispiel Beschleunigung, Apokalyptik oder Nostalgie, werden anhand von über 20 Dramen aus Skandinavien näher untersucht. Die analysierten Texte reichen von Ibsens »John Gabriel Borkman« und Strindbergs »Ein Traumspiel« bis zu aktuellen Stücken von AutorInnen wie Line Knutzon, Sara Stridsberg oder Lene Therese Teigen. Die Studie zeigt die hohe Sensibilität, die Drama und Theater in Zeit-Fragen besitzen, und liefert zudem einen breiten Überblick über die gegenwärtige, skandinavische Dramatik.

 

Thinking about time in drama has a long tradition. However, in previous studies time has primarily been considered a dramaturgical variable. This study takes on a broader approach to the concept of time, examining typical modern time phenomena and experiences, such as acceleration, apocalypticism or nostalgia, in great detail in over 20 Scandinavian dramas. The texts analysed range from Ibsen’s ‘John Gabriel Borkman’ and Strindberg’s ‘A Dream Play’ to contemporary plays by authors such as Line Knutzon, Sara Stridsberg and Lene Th. Teigen. The study demonstrates the high sensitivity of drama and theatre in relation to questions of time and provides a detailed overview of contemporary Scandinavian drama.

»The Whole World«

Globalität und Weltbezug im Werk Karen Blixens / Isak Dinesens

Annegret Heitmann

Rombach Wissenschaft, 2021

Das Werk ist Teil der Reihe Nordica (Band 27)

Seiten: 258

ISBN: 978-3-96821-681-2

EUR: 54,00

Das zweisprachige Erzählwerk Karen Blixens / Isak Dinesens weist vielfältige Spuren aus der »ganzen Welt« auf, die auf unhintergehbare Zusammenhänge und Fernwirkungen deuten: Beziehungen zu fernen Orten, Figuren der Mobilität und der Fremdheit, einen ›global mix‹ der formalen Verfahren, unzählige Verweise auf weltliterarische Intertexte und provokative Weltentwürfe. Eine globalisierungstheoretisch inspirierte Perspektive konzentriert sich erstmals auf dieses bislang kaum beachtete Charakteristikum des Weltbezugs, der in Anekdoten, Figuren und Tropen des Werks niedergelegt ist. Durch ihre Welthaltigkeit reflektieren die Erzählungen Modelle und Dynamiken von Globalität, durch ihre Ästhetik inszenieren sie Fremdheit und Vernetzung gleichermaßen.

 

The bilingual oeuvre of Karen Blixen/Isak Dinesen contains many traces of inescapable connections and distant reverberations from the entire world: relations to far-off places, figures of mobility and foreignness; a ‘global mix’ of literary forms; innumerable references to intertextual works from world literature; and provocative perceptions of the world. Drawing upon globalisation theories, this study is the first to focus on this hitherto neglected aspect of Blixen’s/Dinesen´s relationship to the world, which runs right through the anecdotes, figures and tropes in her work. In their engagement with the world as a whole, her narratives reflect models and dynamics of globality, while aesthetically representing connectivity and an awareness of foreignness.

Nomadisch - ekstatisch - magisch

Skandinavischer Arktisprimitivismus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert

Hanna Eglinger

Brill / Wilhelm Fink Verlag, 2021

Seiten: 354

ISBN: 978-3-7705-6607-5

EUR: 79,00

Nomadisch – ekstatisch – magisch: Diese Schlagworte lassen sich als Faszinationskerne der Auseinandersetzung mit der Arktis verstehen, die einen konstitutiven Bestandteil der skandinavischen Moderne ausmacht. Hanna Eglinger untersucht die Ausprägungen eines Arktisprimitivismus in Skandinavien um 1900, indem sie kulturwissenschaftliche und ästhetische Fragestellungen verbindet. Ausgehend von einem in Zentraleuropa um 1900 gängigen Diskurs des Primitiven, den die anthropologischen Wissenschaften maßgeblich prägten, und der sich in der bildenden Kunst, aber auch in literarischen und medienreflexiven Kontexten zu einer impulsgebenden ästhetischen Formation herausbildete, legt sie den Fokus auf die spezifisch skandinavische Ausprägung der Figur des Primitiven der Arktis und ihre literarische, bildnerische und filmische Reflexion.

 

Nomadic – ecstatic – magic. The fascination for the Arctic that was so formative for Scandinavian modernity finds its distillation in these terms. In this book, Hanna Eglinger explores the key characteristics of Arctic primitivism in Scandinavia around 1900 in an approach that combines both aesthetic and cultural dimensions. Taking central Europe’s fin-de-siécle preoccupation with the primitive as a starting point, Eglinger shows how the discourse that originated largely in anthropology found expression in visual art, literature, and media: her book focuses on the specific Scandinavian figuration of Arctic primitivism as it manifests in literature, visual art, and film.

Das Übernatürliche erzählen

Die erzählerische Darstellung übernatürlicher Phänomene in sechs Isländersagas

Jan Wehrle

utzverlag, 2021

Seiten: 282

ISBN: 978-3-8316-4897-9

EUR: 52,00

Die Isländersagas zählen zu den beeindruckendsten Prosawerken des Mittelalters. In den Sagas wird eine Vielzahl von übernatürlichen Phänomenen beschrieben, die von ehrfurchtgebietenden Wundern über prophetische Träume bis zu bösartigen Wiedergängern reicht.
Die Art und Weise, wie die Erzähler des mittelalterlichen Islands diesem Übernatürlichen in ihrer Darstellung begegnen, verrät viel darüber, wie die beschriebenen Phänomene im Denken der Zeit verstanden wurden.
Es offenbaren sich somit faszinierende Einblicke in das Weltbild des mittelalterlichen Islands, das von einem Spannungsgefüge zwischen christlicher Gelehrsamkeit und heidnischen Traditionen geprägt ist. Es wird aber vor allem auch die große Erzählkunst der Verfasserinnen und Verfasser der Sagas deutlich, die den verdienten Platz dieser Texte in der Weltliteratur begründet.

Die Regierung des Mangels

Hunger in den skandinavischen Literaturen 1830–1960

Frederike Felcht

Universitätsverlag Winter Heidelberg, 2020

Seiten: 388
ISBN: 978-3-8253-4773-4

EUR: 48,00

Mit Skandinavien assoziieren heute die meisten Menschen eine wohlhabende Weltregion, die vorbildliche soziale Sicherungssysteme hat. Dieses Buch erzählt davon, dass dieser Wohlstand jedoch mühsam errungen werden musste und historisch relativ jung ist.
Literarische Darstellungen armutsbedingten Hungers geben Aufschluss über skandinavische Konstruktionen von Identität und deren Wandel. Die Vorstellung von einer im Hunger geeinten Nation wich einer Kritik gesellschaftlicher Ungleichheit, die zu neuen politischen Idealbildern führte. Hunger erweist sich darüber hinaus als poetologisch produktives Thema und Motiv.

Die Studie untersucht Repräsentationen von Hunger in einflussreichen und bekannten Texten der skandinavischen Literatur, z. B. den Nationalhymnen Finnlands und Norwegens, Knut Hamsuns ‚Sult‘ (‚Hunger‘, 1890), Martin Andersen Nexøs ‚Pelle Erobreren‘ (‚Pelle der Eroberer‘, 1906–1910) oder Vilhelm Mobergs Auswanderer-Tetralogie (1949–1959), und setzt diese in Beziehung zu ihren historisch-diskursiven Kontexten.

Literarische Irrtümer

Figurationen des Irrtums in der skandinavischen Literatur

Hanna Eglinger (Hg.)

Rombach Wissenschaft,  2020

Das Werk ist Teil der Reihe Nordica (Band 26)
Seiten: 268
ISBN: 978-3-96821-638-6

EUR: 54,00

Der Irrtum ist nicht nur Teil der anthropologischen Grundbestimmung des Menschen und Movens der philosophischen Wahrheitssuche, sondern auch ein wesentliches Element literarischer Gestaltung, etwa als dramaturgisch notwendiger Fehltritt (Hamartia), als ein Überraschung generierendes Ereignis und als Initiator oder Komplize des Zufalls, des Schicksals oder des Unbewussten und Verdrängten. Literarische Figurationen des Irrtums sind auf verschiedenen Ebenen des Erzählens nachweisbar: auf Figuren- und Erzählerebene, in thematischer wie struktureller Hinsicht sowie als poetologisches Prinzip, d.h. etwa im Verhältnis zwischen (ironischem) Text und seinen Leser*innen. Der vorliegende Aufsatzband geht dem Irrtum als ungeplanter Abweichung vom Erwarteten und, damit verbunden, dem kreativen und produktiven Potential in seiner literarischen und poetologischen Gestaltung nach.

Von Göttern, Helden und Gelehrten

Ausgewählte Scandinavica minora

Klaus Düwel (Autor)

Robert Nedoma (Hg.)

Wien: Praesens, 2020 (= Wiener Studien zur Skandinavistik 28)
Seiten: 321
ISBN: 978-3-7069-1032-3
EUR: 31,10

Dieser Band versammelt Klaus Düwels Arbeiten zur skandinavischen Philologie aus den Jahren 1970–2006. Texte der Lieder-Edda, Skaldik und Sagaliteratur liegen den Untersuchungen von Sakralwörtern und Götterbezeichnungen, der Entstehung des Gildewesens, dem Verlauf der Bekehrung auf Island, der Neubestimmung der skaldischen Kenningar und Rezensionen von Übersetzungen der Reihe Saga zugrunde. Ein gewichtiger Beitrag gilt den Bildzeugnissen zur Sage vom Drachentöter Sigurd. Rezeptionsgeschichtliches wird mit Esaias Tegnérs Frithiofs Saga angesprochen. In die Wissenschaftsgeschichte gehören die biographischen Skizzen zu Wilhelm Ranisch und Gerd Høst Heyerdahl, ferner ein Einblick in Zeitschriften des 18. Jahrhunderts und schließlich die gelehrten Umsetzungen des Hildebrandliedes in ältere Sprachstufen. Dankbar erinnert der Verfasser Freude, Neugier und Staunen beim Erarbeiten der Beiträge und hofft, dass davon etwas auf künftige Leser ausstrahlen möge.

Figurationen des Jüdischen

Spurensuchen in der skandinavischen Literatur

Clemens Räthel, Stefanie von Schnurbein (Hg.)

Berliner Beiträge zur Skandinavistik Band 27

Seiten: 336

EUR: 44,80

ISBN: 978–3–932406–42–3

Die jüdischen Minderheiten und Gemeinden in den skandinavischen Ländern werden im 19. Jahrhundert zu in doppeltem Sinne produktiven Orten: Sie bilden alteritäre Räume, über die Literatur gemacht wird und in denen Literatur entsteht. Die hier versammelten Aufsätze dokumentieren den Anfang der 2000er-Jahre begonnenen Forschungsprozess des Arbeitskreises Juden in Skandinavien. Sie fragen nach der Funktion von Figurationen des Jüdischen in literarischen Texten, sie gehen den komplexen Zusammenhängen zwischen Literatur und historischer Entwicklung jüdischen Lebens nach, und sie schließen literatur- und theaterwissenschaftliche Forschung zu Juden und literarischem Antijudaismus/Antisemitismus in Skandinavien an die europäische Forschung an. Damit zeigen die Autor*innen, wie der Blick auf eine historisch bedeutende Minderheit neue Perspektiven auf die Herausbildung bürgerlicher Nationalkulturen in Dänemark und Norwegen eröffnen kann.

Handeln mit Dichtung

Literarische Performativität in der altisländischen Prosa-Edda

Sandra Schneeberger

A. Francke Verlag: Beiträge zur Nordischen Philologie

Seiten: 206

EUR: 39,00

ISBN: 978-3-7720-8672-4

Die Prosa-Edda ist der wichtigste sprach- und dichtungstheoretische Text des skandinavischen Mittelalters. Sie wird in diesem Band einer ganzheitlichen und systematischen Lektüre unterzogen und als Form kultureller Sinnstiftung gelesen. Ausgangspunkt der Lektüre ist die Leitthese, dass die Prosa-Edda nicht nur ein Lehrwerk für skaldische Dichtung ist, sondern sich umfassend und mit einem sprach- und medientheoretischen Ansatz für Sprache, Erzählen und Dichtung interessiert.
Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht Codex Upsaliensis DG 11 4to (ca. 1300). Die Zusammenstellung verschiedenster medialer Phänomene macht die Edda-Version in dieser Handschrift so einzigartig: Neben den bekannten Texten finden sich genealogische Listen, grammatische Diagramme und Bilder, die alle Organisationsformen von Wissen darstellen, welche bisher noch ungenügend in eine Lektüre der Prosa-Edda eingeflossen sind. Eine solche Lektüre der vielfältigen Inhalte von Codex Upsaliensis wird durch den Theorieansatz der literarischen Performativität systematisiert. Dieser Diskurs ist in der skandinavistischen Mediävistik bislang noch nicht sehr bekannt. Er bietet jedoch ein theoretisches Begriffsinventar, das über mediale Grenzen hinweg anwendbar ist und sich für die Lektüre der Prosa-Edda als sehr produktiv erweist.

Beiträge zur Nordischen Philologie

Alle Bände der Beiträge zur Nordischen Philologie sind ab sofort mit einer Sperrfrist von 12 Monaten über die Plattform e-periodica digital verfügbar: https://www.e-periodica.ch/digbib/volumes?UID=bnp-001.

Das Schweigen in der Edda

Eine motiv-zentrierte Studie zur Älteren Edda

Christof Seidler

Berlin: epubli, 2020

Seiten: 61

EUR: 9,80

ISBN: 978-3-7502-8027-4

Das Motiv des Schweigens steht im Mittelpunkt dieser kleinen Studie zu den Götterliedern der altnordischen ›Älteren Edda‹, die im Codex Regius aus der Zeit um das Jahr 1270 überliefert ist und die bedeutendste Grundlage für unser Wissen um die nordgermanische Mythologie darstellt. Das Motiv ist in unterschiedlichen Ausformungen und Konnotationen in fast allen zehn Götterliedern auszumachen, wobei die ›Hávamál‹ (Die Sprüche des Hohen) und die ›Locasenna‹ (Lokis Schimpfrede) hervorstechen, da das Schweigen hier je eine besonders wichtige Rolle spielt. Mit unter anderem der Formelhaftigkeit der Motivverwendung, starken motivbezogenen intratextuellen Bezügen und der positiven Aufladung des Schweigens gibt es eine Reihe von charakteristischen Aspekten, durch die sich die eddischen Götterlieder auszeichnen.

Schreiben und Lesen im Altisländischen

Die Lexeme, syntagmatischen Relationen und Konzepte in der "Jóns saga helga", "Sturlunga saga" und "Laurentius saga biskups"

Kevin Müller

Tübingen: Narr Francke Attempto 2020

Seiten: 310

EUR: 39,00

ISBN: 978-3-7720-8694-6

Die Konzepte ‚Schreiben‘ und ‚Lesen‘ unterschieden sich im Altisländischen in vielen Aspekten. Es gab unterschiedliche Sprachen, Schriftsysteme, Materialien, Textsorten, Stimmen und Rahmen. Die involvierten Personen agierten als Schreiber, Verfasser, Leser, Zuhörer oder Auftraggeber. Dem gegenüber stehen verschiedene Verben wie rita, rísta, skrifa, dikta, setja saman, lesa oder sjá, die auf spezifische Aspekte referieren. Für die Erforschung der mittelalterlichen Schriftlichkeit ist es deshalb grundlegend, diese Konzepte zu kennen. Trotzdem gab es bisher nur punktuelle Analysen einzelner Aspekte, Lexeme, Texte und Textstellen. Die vorliegende Arbeit untersucht den Wortschatz erstmals in einem grösseren Textkorpus, das drei zentrale Quellentexte für die mittelalterliche isländische Schriftkultur umfasst. Die Konzepte werden mithilfe der syntagmatischen Relationen analysiert, welche die semantischen Strukturen auf der Ausdrucksseite abbilden. Dies ermöglicht eine systematische Betrachtung der Konzepte und der verschiedenen Aspekte der mittelalterlichen isländischen Schriftlichkeit.

Seehundspeck und Hundeschlitten

Alfred Otto Schwede als Übersetzer des skandinavischen Nordens

Benedikt Jager

Zürich: LIT-Verlag, 2019 (Skandinavistik. Sprache – Literatur – Kultur, Bd. 13)

Seiten: 256

EUR: 34,90

ISBN: 978-3-643-91189-6 

Alfred Otto Schwede (1915 – 1987) war einer der produktivsten Schriftsteller und Übersetzer der DDR. Obwohl seine Texte dort eine Millionenauflage erreichten, ist er heute fast vollständig vergessen. Dies ist seiner besonderen Position im ostdeutschen Literaturbetrieb geschuldet. Als ordinierter Pfarrer publizierte er bei der Evangelischen Verlagsanstalt neben Reiseberichten über Skandinavien hauptsächlich historische Romane zu Gestalten der nordischen Kirchengeschichte. Da er zudem sechzig Romane aus den nordischen Sprachen ins Deutsche übertrug, kann trotz seiner Randstellung seine Bedeutung für das Skandinavienbild in der DDR nicht hoch genug veranschlagt werden.

Karl der Große im Norden

Rezeption französischer Heldenepik in den altostnordischen Handschriften

Elena Brandenburg

Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019 (= Beiträge zur Nordischen Philologie; 65)

Seiten: 238

EUR: 59,00

ISBN: 3772086802

Karl der Große gehört zu den dynamischsten literarischen Gestalten des europäischen Mittelalters. Die altfranzösische Karlsdichtung wurde dabei in kompilierter Form auch im Norden rezipiert: Als Karlamagnús saga liegt sie im Altwestnordischen vor, als Karl Magnus im Altschwedischen und Karl Magnus Krønike im Altdänischen. Durch Kontextualisierung der Karlsdichtung in den fünf überlieferten ostnordischen Handschriften aus dem 15. Jahrhundert werden intertextuelle Bezüge sichtbar, die zur Klärung der Frage beitragen, warum Karl der Große im Norden einerseits als aristokratischer Held, andererseits als Heiliger rezipiert wurde. Neben der philologischen Lektüre der altschwedischen, altdänischen und altfranzösischen Texte tragen vor allem kulturwissenschaftliche Ansätze aus den Feldern Memory Studies, Gender Studies sowie aus der Alteritätsforschung dazu bei, den Transfer scheinbar stabiler Konzepte wie Identität, Geschlecht und Alterität in der mittelalterlichen Literatur des Nordens nachzuvollziehen.

Die Welt der Völsungen

Figuren- und Weltentwurf der altnordischen Nibelungendichtung

Florian Deichl

Berlin, De Gruyter 2019 

Seiten: 442

EUR: 109,59

ISBN: 978-3-11-064979-6

Das mittelhochdeutsche Nibelungenlied findet in der skandinavischen Völsungenüberlieferung mehrere Entsprechungen. Diese Texte der nordischen Heldendichtung sind geprägt von einem Wechselspiel verschiedener Diskursstränge: Es überlagern sich heroische und höfisch-ritterliche Wertesysteme und werden zusammen mit mythischen Erzählkonventionen gegeneinander ausagiert. Die vorliegende Untersuchung bricht mit der Tradition der Heldensagenforschung, indem sie die nordische Nibelungenüberlieferung nicht motiv- und stoffgeschichtlich untersucht, sondern stattdessen nach dem ästhetischen Entwurf hinter Menschenbild und Weltkonzept des völsungischen Heldenkosmos fragt. Dies geschieht anhand thematischer Blöcke, die das Erzähluniversum der altnordischen Heldendichtung prägen: Abstammung, Erziehung, Herrschaft, Trauer, Rache, Schicksal und Tod. Dahingehend bietet die Studie eine Erklärung der eigentümlichen Figur des Helden an, die mit unserem modernen Heldenkonzept nahezu ausschließlich den Namen gemein hat. Dieses Buch soll sowohl einen Zugang zur germanischen Heldendichtung ermöglichen, als auch dem fortgeschrittenen Heldensagenforscher neue Perspektiven auf das Material eröffnen.

 

Gylfis Täuschung

Rezeptionsgeschichtliches Lexikon zur nordischen Mythologie und Heldensage

Julia Zernack (Hg.), Katja Schulz (Hg.)

Universitätsverlag WINTER Heidelberg, 2019 

Seiten: 791

EUR: 98,-

ISBN: 978-3-8253-6874-6

Die in dem mittelalterlichen Textkorpus der „Edda“ überlieferten Mythen und Heldensagen – von den Asengöttern, von der Herkunft der Dichtung, von den Nibelungen, vom Untergang der Welt und vielem anderen – werden seit dem 18. Jahrhundert international rezipiert, und zwar in allen zur Verfügung stehenden Medien: in Musik, bildender Kunst, Literatur, Film, Weltanschauungspublizistik und Alltagskultur.

Der Einfluß, den die nordische Überlieferung damit auf die westeuropäischen Kulturen ausübt, ist größer, als man angesichts der Dominanz der graeco-römischen Götter und Helden annehmen möchte. Das Lexikon erschließt diese Rezeptionstradition erstmalig in ihrer Breite und im steten Rückgriff auf die mittelalterlichen Quellen.

Kommentar zu den Liedern der Edda / Band 1/I+II: Götterlieder

Teil I: Vǫluspá [R], Hávamál / Teil II: Vafþrúðnismál, Grímnismál, Vǫluspá [H], Zwergenverzeichnis aus der Gylfaginning

Klaus von See, Beatrice La Farge, Katja Schulz

Mitarbeit v.: Simone Horst, Eve Picard

Universitätsverlag WINTER Heidelberg, 2019 

Seiten: 1724

EUR: 178,-

ISBN: 978-3-8253-6963-7

Mit dem vorliegenden Band wird der siebenbändige Kommentar zu den Liedern der Edda abgeschlossen, nachdem 1997 und 2000 zwei Bände mit eddischen Götterliedern sowie 2004, 2006, 2009 und 2012 vier Bände zur eddischen Heldendichtung erschienen sind. Der Frankfurter Edda-Kommentar ist der erste Gesamtkommentar zu diesem Textkorpus seit dem zwischen 1927 und 1931 erschienenen Kommentar von Sijmons-Gering.

Der nun vorgelegte Band kommentiert die ersten vier im Codex regius überlieferten Lieder: die ‚Vǫluspá‘ (das wohl berühmteste Eddalied) und die drei Odins-Lieder ‚Hávamál‘, ‚Vafþrúðnismál‘ und ‚Grímnismál‘.

Ergänzt werden diese Texte durch den ersten Kommentar überhaupt zu der Hauksbók-Fassung der ‚Vǫluspá‘ und eine Synopse der beiden Redaktionen des Liedes sowie durch einen Kommentar zu dem strophischen Zwergenverzeichnis aus der ‚Gylfaginning‘, das eine Entsprechung in den ‚Vǫluspá‘-Texten hat.

Bilderbuch – Lesebuch – Künstlerbuch

Elsa Beskows Ästhetik des Materiellen

Petra Bäni Rigler

A. Francke Verlag: Beiträge zur Nordischen Philologie 2019

Seiten: 304

EUR: 39,-

ISBN: 978-3-7720-8661-8

Das Werk der schwedischen Buchkünstlerin Elsa Beskow (1874–1953) wird erstmals auf seine materiellen Aspekte (wie Papier, Formate, Paratexte und Farbe) hin untersucht. Dabei wird – aufgrund der Gestaltung der Bücher – nach einer eigenen Lese- und Schreibpädagogik der Künstlerin gefragt. Das Thema des Lesens und Schreibens wird in einen (kunst)-historischen Kontext eingebettet und mit internationalen Bildungsbestrebungen verglichen. Im Fokus der Untersuchung stehen ausgewählte Bilder- sowie ihre Lesebücher, die für die schwedische Volksschule gestaltet wurden. Die Studie richtet sich an Fachpersonen (Skandinavistinnen und Kunsthistoriker), aber auch an pädagogische Fachpersonen, welche die Bilderbücher für den Unterricht anwenden (Kindergarten/Unterstufe). Allgemein zeigt die Untersuchung auf, dass der Gestaltung/Materialität von Büchern sowohl beim Lesen und Schreiben Lernen wie auch in einer ästhetischen Auffassung eine bedeutende Rolle zukommt.

Kunstprojekt (Mumin-)Buch

Tove Janssons prozessuale Ästhetik und materielle Transmission

Kathrin Hubli

A. Francke Verlag: Beiträge zur Nordischen Philologie 2019

Seiten: 184

EUR: 31,20

ISBN: 978-3-7720-5655-0

Die finnlandschwedische Künstlerin Tove Jansson (1914–2010) war Autorin, Malerin und Karikaturistin zugleich. Dieses künstlerische Spannungsfeld aus der Fusion unterschiedlicher Talente und der Experimentierfreudigkeit mit Materialität und Medium wird in der vorliegenden Studie fruchtbar gemacht, um Fragen zum Buch als Artefakt, zur Reflexion von Literatur als Kunstform, betreffend kreativer Strategien und künstlerischem Selbstverständnis zu erörtern. Mit anderen Worten, es werden unterschiedliche Konzepte von Materialität behandelt, die sowohl stoffliche wie auch poetologische Aspekte beinhalten. Dabei handelt es sich um Themen, die in der Jansson-Forschung bis anhin vergleichsweise wenig Beachtung fanden. Dies erstaunt vor allem in Anbetracht des viel beschworenen material turn, dessen Fokus auf Aspekte der Materialität in zahlreichen Disziplinen Einzug gehalten hat. Diese unterschiedlichen Konzepte von Materialität lassen sich letztlich zu einem materiellen Ethos ausweiten, welches Janssons Handeln als Künstlerin genuin zugrunde liegt und ihre herausragende Stellung auf eine neue Art zementiert.

50 Jahre Skandinavistik in der Schweiz

Eine kurze Geschichte der Abteilungen für Nordische Philologie an der Universität Basel und der Universität Zürich 1968-2018

Jürg Glauser (Hrsg.)

A. Francke Verlag: Beiträge zur Nordischen Philologie 2019

Seiten: 296

EUR: 59,99

ISBN: 978-3-7720-8679-3

Im Jahr 1968 richteten die Universitäten Basel und Zürich ein gemeinsames Ordinariat für Nordische Philologie ein. Themen der nordischen Sprachen und Literaturen hatten zwar bereits früher an Schweizer Universitäten im Rahmen der Germanistik und Anglistik zum Lehrplan gehört. Aber erst mit der Schaffung eines Lehrstuhls und zweier nordistischer Abteilungen wurde es möglich, Nordistik bzw. Skandinavistik als Fach zu studieren. Die vorliegende Publikation stellt die für kleine Fächer paradigmatische Geschichte der Schweizer Nordistik der letzten fünfzig Jahre in den Grundzügen dar. Beschrieben werden in knapper Form die Vorgeschichte seit dem 19. Jahrhundert und die Hintergründe, die zur Errichtung der beiden Abteilungen führten, sowie schwerpunktmäßig der Verlauf nordischer Studien von räumlich beengten und personell bescheidenen Anfängen bis zu den neuesten, dynamischen Aktivitäten in Forschung und Lehre. Kürzere Texte von ehemaligen Studierenden und Mitarbeitenden und zahlreiche Abbildungen ergänzen die Darstellung.

Buddha in Bergen

Die altnordische ‚Barlaams ok Josaphats saga‘

Vera Johanterwage

Heidelberg 2019 (Skandinavistische Arbeiten 25)

Seiten: 304

EUR: 49,-

ISBN: 978-3-8253-6743-5

Um das Jahr 1250 entstand im Umfeld des norwegischen Königshofs in Bergen die ‚Barlaams ok Josaphats saga‘. In ihr wird die Lebensgeschichte des indischen Prinzen Josaphat erzählt, der sich von seinem Lehrer Barlaam zum Christentum bekehren läßt. Prinz Josaphat ist letztlich niemand anders als der Buddha, dessen Lebensgeschichte in christlicher Überformung zu einem der erfolgreichsten Stoffe des Mittelalters wird. Mit der ‚Barlaams ok Josaphats saga‘ liegt die erste, wohl vom norwegischen Kronprinz Hákon initiierte, nordische Umsetzung des Stoffes vor.

In der vorliegenden Studie wird die Saga erstmals ausführlich vor dem Hintergrund ihrer lateinischen Vorlage untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen die spezifischen Charakteristika der Übersetzung und deren kulturgeschichtliche Einordnung. Zum anderen wird die Saga im Kontext der höfischen Übersetzungsliteratur betrachtet. Aufgrund der reichen Überlieferung der Saga läßt die stilistische Analyse Aufschlüsse über den sogenannten höfischen Stil und die Entwicklung der altnordischen Literatur überhaupt zu. Abgerundet wird die Studie durch eine einführende Darstellung der Stofftradition sowie einen Ausblick auf die jüngste mittelalterliche ‚Barlaam‘-Fassung Skandinaviens in der ‚Reykjahólabók‘ von ca. 1525.

Skandinavistische Mediävistik

Einführung in die altwestnordische Sprach- und Literaturgeschichte

Jan Alexander van Nahl / Astrid van Nahl

Hamburg: Buske Verlag  2019

Seiten: 253

EUR: 28,-

ISBN: 978-3-87548-967-5

 

Die insbesondere für Studierende der (Alt)Skandinavistik und (skandinavistischen) Mediävistik konzipierte Einführung bietet einen soliden Überblick über Inhalte, Forschungsgeschichte und aktuelle Fragestellungen dieses Fachbereichs und vermittelt ein Verständnis für dessen Methoden und Theorien. Die Herausbildung und Besonderheiten der altwestnordischen Sprache werden ebenso behandelt wie die großen Literaturgattungen des isländisch-norwegischen Mittelalters: Sagas, Eddas und Skaldendichtung sowie gelehrte Literatur des Nordens. Zahlreiche miteinander verknüpfte Kurzkapitel, ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Glossar der Fachbegriffe sowie ein Index ermöglichen den unproblematischen Einstieg in verschiedene Themen.

Der norwegische Schwitters

Die Merz-Kunst im Exil

Leonie Krutzinna

Göttingen: Wallstein Verlag 2019

Seiten: 331

EUR: 34,90-

ISBN: 978-3-8353-3466-3

Zum 100. Jahrestag seines Kunstkonzepts Merz setzt sich dieser Band in einer
grundlegende Untersuchung mit Kurt Schwitters` Werkkomplex des norwegischen Exils auseinander.

Um den Repressionen durch das NS-Regime zu entgehen, verlegte Kurt Schwitters seinen Wohnsitz 1937 nach Norwegen. Aus dem Exil des Künstlers gehen zahlreiche bildkünstlerische, schriftstellerische, architektonische sowie kompositorische Arbeiten hervor, deren systematische und kunstformenübergreifende Analyse von Leonie Krutzinna erstmalig vorgenommen wird.
Der Werkkomplex Norwegen veranschaulicht den Kulturtransfer zwischen dem deutschen Künstler und seinem Zufluchtsland. Anhand seiner außergewöhnlichen Exilerfahrung führt Schwitters zugleich deren konsequente ästhetische Transformation vor: Er entwickelt nicht nur eine Ästhetik der Mehrsprachigkeit, indem er auf Norwegisch schreibt, sondern schließt auch an seine experimentelle Produktion des Frühwerks an und erweitert seine als Merz bezeichnete Kunst damit zu einer Poetik des Exils.

Literatur als Bellographie. Der Krieg von 1864 in der dänischen Literatur

Stephan Michael Schröder

Berlin 2019 (= Berliner Beiträge zur Skandinavistik, Bd. 22)

Seiten: 515

EUR: 44,80-

ISBN: 978–3–932406–37–9

Im deutschsprachigen Raum ist der Krieg von 1864 zu einer Marginalie in den Geschichtsbüchern geworden. Ganz anders in Dänemark, wo der Krieg ein zentraler Bestandteil der dänischen Erinnerungskultur ist. In Absetzung von der gängigen These, der Krieg sei in der dänischen Literatur vergleichsweise wenig behandelt worden, zeichnet dieses Buch die Tradition des bellographischen literarischen Diskurses über 1864 bis in die Gegenwart nach. Das besondere Augenmerk gilt dabei den verschiedenen Kriegsnarrativen und der Frage, wie Körperlichkeit in diesen Texten verhandelt worden ist.

Ökonomien des Hungers: Essen und Körper in der skandinavischen Literatur

Stefanie von Schnurbein

Berlin: Nordeuropa-Institut, 2018

Seiten: 202

EUR: 39,80-

ISBN: 978-3-932406-38-6

Weiblicher Lebenshunger, verzehrende innere Flammen, ausbeuterische Vampire, hungernde Künstler – Figuren der Essensverweigerung und des abweichenden Essens durchziehen Texte von skandinavischen Autorinnen und Autoren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ökonomien des Hungers untersucht religiöse, medizinisch- psychologische und ästhetische Aspekte dieser Hungerfiguren in Texten von Fredrika Bremer, Henrik Ibsen, Victoria Benedictsson, Knut Hamsun, August Strindberg und Karen Blixen. Jenseits einer Pathologisierung solcher literarischen Phänomene können sie als Auseinandersetzungen mit ökonomischen Verhältnissen und Ängsten vor ökonomischem Wandel gelesen werden. Damit liefert das Buch auch eine literarische Vorgeschichte aktueller Fettphobie, Essstörungen und Ernährungsobsessionen.

Haut – Werk – Sprache Autofiktion und Intertextualität im Roman »Huden er det elastiske hylster der omgiver hele legemet« von Bjørn Rasmussen

Marie Lindskov Hansen

Münster: Sonderausgabe # 3 von Textpraxis. Digitales Journal für Philologie, 2018

Seiten: 20

EUR: open access

ISSN 2191-8236

In diesem Beitrag werden zwei Figurationen der autobiographischen Narration untersucht: die Verwendung intertextueller Bezüge sowie die Haut und ihre Möglichkeit, autobiographische Verläufe und Zustände zu erzählen. Durch diese alternativen autobiographischen Narrationen findet eine verzerrte und doppelte (Auto-)Fiktionalisierung statt, indem Bjørn Rasmussen nicht durchgehend selbst sein eigenes Leben erzählt, sondern sein Leben anhand literarischer Textfragmente erzählen und erzeugen lässt. Die Unfähigkeit, die eigene Autobiographie zu schreiben, steht in Verbindung zu einer potenziellen Auflösung der Sprache, was im Roman zu einer Erforschung der Haut als Grenze zwischen Innen- und Außenwelt sowie als Inskriptions- und Kommunikationsort führt.

Nähere Informationen gibt es hier.

Band Nordic Narratives of Nature and the Environment. Ecocritical Approaches to Northern European Literatures and Cultures

Reinhard Hennig, Anna-Karin Jonasson und Peter Degerman

Lanham: Lexington Books 2018

Seiten: 258

95 USD

ISBN: 978-1-4985-6190-7

Nordic Narratives of Nature and the Environment is the first English language anthology that presents ecocritical research on northern European literatures and cultures. The contributors examine specifically Nordic narratives of nature and the environment, with a focus on the cultures and literatures of the modern northern European countries Denmark, Finland, Norway, and Sweden, including Sápmi, which is the land traditionally inhabited by the indigenous Sami people. Covering northern European literatures and cultures over a period of more than two centuries, this anthology provides substantial insights into both old and new narratives of nature and the environment as well as intertextual relations, the variety of cultural traditions, and current discourses connected to the Nordic environmental imagination. Case studies relating to works of literature, film, and other media shed new light on the role of culture, history, and society in the formation of narratives of nature and the environment, and offer a comprehensive and multi-faceted overview of the most recent ecocritical research in Scandinavian studies.

Deutsch-isländische Beziehungen. Festschrift für Hubert Seelow zum 70. Geburtstag

Lena Rohrbach, Sebastian Kürschner (Hg.)

Berlin: Nordeuropa-Institut, 2018

Seiten: 331

EUR: 39,80,-

ISBN: 978-3-932406-39-3

Deutsch-isländische Beziehungen – der Titel dieses Bandes fasst zusammen, was das Schaffen von Hubert Seelow genauso auszeichnet, wie es sein persönliches Leben geprägt hat. Zu Ehren seines siebzigsten Geburtstags erscheint die vorliegende Festschrift, die sich aus vielfältigen Perspektiven der isländischen und deutschen Kultur annimmt. 28 Kolleginnen und Kollegen legen philologische, literaturwissenschaftliche, linguistische und geschichtswissenschaftliche Beiträge zum Kulturaustausch zwischen Island und Deutschland in seiner Einbettung in einen breiteren europäischen Kontext vor. Der Band bietet ein Panorama vom Mittelalter bis in die Gegenwart und reflektiert die Bandbreite der Forschungsschwerpunkte Hubert Seelows von der Altnordistik über die frühneuzeitliche isländische Kultur bis hin zu Übersetzungen und Studien der neueren und neuesten isländischen Literatur und Sprache.

Frauen in der altnordischen Heldensage. Mit Bezügen zu altenglischen Erzählstoffen

Christof Seidler

Berlin: epubli, 2018

Seiten: 61

EUR: 9,80

ISBN: 978-3-7467-4668-5

Diese Studie zur literarischen Figur der Frau in der altnordischen Heldensage untersucht die Darstellung der Frau schlaglichtartig in verschiedenen Texten zur altnordischen Welt. Quellen mit Stoffparallelen zur altenglischen Heldensage, insbesondere dem ›Beowulf‹, stehen dabei im Vordergrund. Typische Rollen und Funktionen der Frau werden gesichtet und übersichtlich geordnet. Einzelne charakteristische Merkmale und Aspekte – wie das Konzept der Aufreizung (hvöt) und die Besonderheiten der Heroischen Elegie – werden hervorgehoben. Das Bändchen enthält umfangreiche Literaturhinweise und ein Textquellen-Verzeichnis.