Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Philipp Martin

Zukunftsdystopien in skandinavischer Science Fiction-Literatur seit 1945 (Arbeitstitel)

Betreuer:
Prof. Dr. Annegret Heitmann

Kontakt:
philipp.m.martin@live.de

Ort:
LMU München

Abstract:
Science Fiction reflektiert und antizipiert den globalen Wandel in fiktiven Weltentwürfen. Als “literature of cognitive estrangement” zeichnet sie sich durch die Einführung eines von der Leserrealität abweichenden bzw. noch nicht verwirklichten Novums aus, das innerhalb des Textes plausibilisiert wird (Suvin). Science Fiction geht es dabei weniger um eine konkrete Zukunftsprognose, sondern mehr um die Extrapolation möglicher Zukünfte, in deren Zentrum der technowissenschaftliche Fortschritt steht. Auf die folgenreichen Innovationen in Wissenschaft und Technologie, die mit Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Philosophie korrelieren und nur noch in einem weltweiten Zusammenhang denkbar sind, reagieren Zukunftsdarstellungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunehmend skeptisch. Das Projekt geht deshalb von der Annahme aus, dass Science Fiction ein kritisches Bewusstsein für den tiefgreifenden anthropogenen Einfluss auf die Erde erzeugt, in dem der seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewinnende Nexus zwischen Technologie, Ethik und Ökologie eine wesentliche Rolle spielt. Anhand dreier skandinavischer Textschwerpunkte soll die Funktion literarischer Zukunftsentwürfe als narrative Experimentalanordnungen im globalisierungskritischen Diskurs untersucht werden: Harry Martinson warnt in seinem Gedichtepos Aniara. En revy om människan i tid och rum (Aniara. Eine Revue vom Menschen in Zeit und Raum, 1956) angesichts des sich zuspitzenden Kalten Krieges vor dem Weltuntergang in Form eines nuklearen Holocausts. Inge Eriksen beschreibt in ihrer Romantetralogie Rummet uden tid (Der Raum ohne Zeit, 1983–89) ein durch Klimakatastrophen herbeigeführtes Endzeitszenario und die daran anschließende Postapokalypse auf unserem Planeten. Øyvind Rimbereid hinterfragt in seinem Langedicht Solaris korrigert (Solaris korrigiert, 2004) in einer erfundenen Hybridsprache das Selbstverständnis des Menschen in einer technomorphen und transhumanen Zukunft. Das Projekt stellt folgende Leitfragen: Welche Möglichkeiten und Konsequenzen technologischer und wissenschaftlicher Entwicklungen für den Menschen und seine Umwelt problematisieren die Texte? Welche damit zusammenhängenden Konzeptionen von Globalität, der Erde und Ökologie liegen den fiktionalen Welten zugrunde? Fungieren die Zukunftsschilderungen als selbstzerstörende Prophezeiungen oder offerieren sie Gegenmodelle zur menschengemachten Welt von morgen?

 

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