Fachverband
Skandinavistik


Aktuelle Publikationen

Auf dieser Seite finden Sie aktuelle skandinavistische Publikationen der letzten Monate. Wenn Sie an der Aufnahme Ihrer Publikation in unser Verzeichnis interessiert sind, kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail.

Bitte beachten Sie auch unser Archiv älterer Publikationen sowie die Übersicht abgeschlossener Dissertations- und Habilitationsprojekte, in denen weitere Publikationen verzeichnet sind.


Norwegian Native Art - Cultural Identity in Norwegian Metal Music

Imke von Helden

Münster: LIT, 2017 (Reihe: Skandinavistik. Sprache - Literatur - Kultur, Band 12)

Seiten: 190

EUR: 39,90; CHF: 39,90

ISBN: 978-3-643-90880-3

 

Often dismissed as an image with which to attract tourists and to endow athletes with associations of power and endurance, the Vikings and Norse mythology seem to have lost their appeal as an element of identity construction in Norwegian society - apart from the phenomenon of metal music, where these elements are essential. This study analyses the functions of Norse themes as they are applied in Norwegian metal culture with regard to the construction and experience of cultural identity, shedding light on the musicians' diverse motivations and intentions.

 


Einleitung in die philosophischen Vorlesungen

Henrik Steffens. Hrsg. von Bernd Henningsen und Jan Steeger

Freiburg/München: Alber, 2017

Seiten: 216

EUR: 39,99

ISBN: 978-3-495-81493-2

Mit seinen Vorlesungen von 1802/1803 in Kopenhagen brachte Henrik Steffens die Ideen der deutschen Frühromantik nach Dänemark. Unter den Zuhörern jener legendären Vorlesungsreihe, die als „Durchbruch der Romantik im Norden“ bezeichnet wird, waren dänische Geistesgrößen wie Oehlenschläger, Mynster und Grundtvig. Doch nicht nur der ideengeschichtlichen Wirkung dieser Vorträge ist es geschuldet, dass ihre schriftliche Fassung, die 1803 unter den Titel „Einleitung in die philosophischen Vorlesungen“ erschien, als einer der wichtigsten Texte der romantischen Philosophie in Skandinavien gilt.

Denn obwohl Steffens bei seinem Versuch, Natur und Geschichte als organische Einheit zu denken, auf den Pfaden des frühen Schelling wandert, hebt er sich von diesem ab: Mit seiner Methode der „Reduktion“ gibt er der spekulativen Naturphilosophie ein empirisches Fundament. Im Gegensatz zu anderen Texten Steffens ist die „Einführung“ daher auch heute nicht nur von historischem Interesse. Mit dieser Ausgabe liegt die wirkungsmächtige Schrift erstmals in deutscher Übersetzung vor.


Märchen in der Edda. Eine motivische Spurensuche

Christof Seidler

Berlin: epubli, 2017

Seiten: 73

EUR: 9,80

ISBN: 978-3-7450-4808-7

Die Lieder-Edda und die Prosa-Edda sind die wichtigsten Quellen zu unserem Wissen über die altnordische Gedankenwelt und Mythologie. Im Jahr 1899 publizierte der Germanist und Volkskundler Friedrich von der Leyen (1873–1966) eine erste Untersuchung zum Thema ›Das Märchen in den Göttersagen der Edda‹. In der vorliegenden Studie werden die Ergebnisse dieser Arbeit dargestellt, zudem wird die Fragestellung erweitert, und es werden ebenfalls die eddischen Heldensagen untersucht. Als Klassifizierungssystem zu den Märchenmotiven wird auch Bezug auf den ›Motif-Index of Folk-Literature‹ von Stith Thompson genommen.

Die Spurensuche fördert einen reichen Ertrag zutage, der die Durchdringung des eddischen Stoffes mit vielen Märchenelementen belegt, wie wir sie etwa aus den ›Kinder- und Hausmärchen‹ der Brüder Grimm kennen. Beispielsweise ist das aus Aschenputtel vertraute Motiv des Vogelsprache-Verstehens in der Gylfaginning mit Oðins Raben zu finden. Und der Motivkomplex der – nach langem Schlaf im verzauberten Schloß – vom Helden erweckten Jungfrau des Märchens Dornröschen begegnet bei der Walküre in den Sigrdrífomál.


Combat in Saga Literature. Traces of Martial Arts in Medieval Iceland

Sixt Wetzler

Tübingen: Universität Tübingen, 2017. Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2017

Seiten: 286

EUR: kostenloser Download hier.

ISBN: -

"Combat in Saga Literature. Traces of martial arts in medieval Iceland" describes and analyses the combat scenes in Old Norse saga literature. It develops four "modes of combat", literary patterns that shaped the narration of combat, and raises the question in how far medieval Iceland participated in European fencing/martial arts culture.


Die Egils saga Skalla-Grímssonar in Cod. Guelf. 9.10 Aug. 4to – Grammatik, Text und Glossar

Fabian Schwabe

Greifswald: Universität Greifswald, 2017. Zugl.: Greifswald, Univ., Diss., 2015

Seiten: 355

EUR: kostenloser Download hier.

ISBN: -

Cod. Guelf. 9.10 Aug. 4to wurde Mitte des 14. Jahrhunderts geschrieben und umfaßt die beiden Isländersagas Eyrbyggja saga und Egils saga Skalla-Grímssonar, den wichtigsten Textzeugen der sogenannten B-Redaktion, die bis heute weder als Ganzes noch in Form der Wolfenbüttler Handschrift ediert vorliegt. Durch die Textgrammatik der Egils saga mit Transliteration des Textes und Glossar wird eine Lücke in der Forschung zur Texttradition der Egils saga geschlossen.


Bad Boys and Wicked Women. Antagonists and Troublemakers in Old Norse Literature

Daniela Hahn, Andreas Schmidt (Hrsg.)

München: Utz, 2016 (= Münchner Nordistische Studien; 27)

Seiten: 426

EUR: 49,-

ISBN: 978-3-8316-4557-2

This volume assembles 13 essays as the result of a workshop for international doctoral and post-doctoral researchers in Old Norse studies, which was held at the Institute for Nordic Philology at LMU in Munich in December 2015. The contributions’ focus lies on different aspects of ›bad‹ or ›evil‹ characters in saga literature, and they give testimony to the broad literary variety such figures display in Old Norse texts. The “Antagonists and Troublemakers in Old Norse Literature” are here explored in their diversity, ranging from their literary psychology to their characteristics which often challenge gender norms. The contributions discuss the narrative strategies of presenting these characters to the audience, both positively and negatively. Furthermore, they analyse how the central paradox of evil and its dependence on context is realised in various ways in Old Norse literature.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung: hier.


Vorträge zu Vorzeitsagas und gattungsgeschichtlichen Grenzgängern

Marina Mundt. Herausgegeben von Robert Nedoma

Wien: Praesens, 2016 (= Wiener Studien zur Skandinavistik; 24)

Seiten: 134

EUR: 21,90

ISBN: 978-3-7069-0934-1

Marina Mundt feiert in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß sind in diesem Band zehn ihrer Beiträge neu herausgegeben, die auf Vorträgen aus den Jahren zwischen 1970 und 1995 fußen. Der Löwenanteil, und zwar acht Opuscula, ist dem Thema gewidmet, mit dem sich die Jubilarin so intensiv wie kaum jemand in der altnordischen Philologie auseinandergesetzt hat – der Frage des östlichen Einflusses auf die altisländischen Vorzeitsagas (fornaldarsögur) bzw., genauer gesagt, der Adaptation von narrativen und visuellen Motiven orientalischer Herkunft. Wenn sich auch naturgemäß keine exakt umrissenen Modalitäten für Art bzw. Umstände der Entlehnungen nachweisen lassen (können), so hat Marina Mundt doch auf eine ganze Reihe von frappanten Parallelen aufmerksam gemacht. Die beiden übrigen Beiträge in diesem Band sind gattungsgeschichtlichen Grenzgängern gewidmet: zum einen der Þiðreks saga af Bern und ihrem intertextuellen Stellenwert, zum anderen der Formelhaftigkeit der Hlöðskviða im Sinne der Oral-poetry-Theorie.


„… ich bin eben dabei, mir Johannes V. Jensen zu entdecken …“: Die Rezeption von Johannes V. Jensen im deutschen Sprachraum

Monica Wenusch

Wien: Praesens, 2016 (= Wiener Studien zur Skandinavistik; 23)

Seiten: 331

EUR: 27,70

ISBN: 978-3-7069-0901-3

Der 1944 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Johannes V. Jensen (1873-1950) gilt als einer der wichtigsten dänischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und Wegbereiter der dänischen Moderne. Kaum erforscht wurden bisher die Wechselbeziehungen zwischen Jensen und dem deutschen Sprachraum. Dies ist umso erstaunlicher, als Jensen sich nicht nur immer wieder auf zentrale Autoren der deutschen Literaturgeschichte bezog, sondern seinerseits im deutschen Sprachraum intensiv rezipiert wurde; zahlreiche namhafte deutschsprachige Autoren beriefen sich ihrerseits auf ihn. Rainer Maria Rilke ist nur einer unter vielen Autoren, die ihrer Begeisterung für Jensen Ausdruck verleihen. Andere Autoren, etwa Franz Kafka und Bertolt Brecht, ließen sich von Jensen sogar maßgeblich inspirieren. Der vorliegende Band soll dazu beitragen, einen wichtigen Teil dieser Forschungslücke zu schließen. In der komparatistisch angelegten Rezeptionsstudie wird die Präsenz und Bedeutung von Jensens Texten im deutschen Sprachraum untersucht.


Literatur als Spektakel. Hyperbolische und komische Inszenierung des Körpers in isländischen Ritter- und Abenteuersagas

Mathias Kruse

München: Utz, 2017 (= Münchner Nordistische Studien; 30)

Seiten: 738

EUR: 94,-

ISBN: 978-3-8316-4588-6

Isländische Ritter- und Abenteuersagas zeichnen das Bild einer imaginären Vorzeit, die geprägt ist von gewaltigen Schlachten, in denen riesenhafte Helden gegen Widersacher streiten, die grotesk überzeichnet scheinen. Was dem heutigen Leser als freiwillig oder unfreiwillig komische Übertreibung anmutet, nimmt sich vor dem Hintergrund mittelalterlicher Welt- und Vergangenheitskonstruktionen, einer Epoche, in der die Relikte von Sauriern als »Riesenknochen« zu interpretieren waren, ungleich glaubwürdiger aus. Dem Rezipienten im spätmittelalterlichen Island bot dies in räumliche wie zeitliche Ferne projizierte Spektakel der Körper, obgleich es in erster Linie dem Vergnügen dient, zugleich mehr als das: Glaubhafte – oder zumindest »geglaubte« – Schilderungen von den Wundern der Vorzeit, im Dienste der Unterhaltung.

Zugl.: Kiel, Univ., Diss., 2016.


Sezierte Bücher. Hans Christian Andersens Materialästhetik

Klaus Müller-Wille

Paderborn: Fink, 2017 (= Zur Genealogie des Schreibens; 21)

Seiten: 373

EUR: 44,90

ISBN: 978-3-7705-6150-6

Hans Christian Andersen entwickelt im Rahmen seiner Märchen eine überraschend frühe Material- und Produktionsästhetik. Dies äußert sich vor allem in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem komplexen Phänomen Buch, die für waren- und dingtheoretischen Reflexionen sowie eine eigenständige Theorie des Lesens genutzt wird. Insgesamt trägt die Studie dazu bei, ein neues Licht auf eine vermeintlich bekannte Autorschaft werfen. Dabei werden auch weniger bekannte Märchen, Künstlerromane und Collagenbücher Andersens behandelt. Mit der Aufmerksamkeit für die modernen Techniken des Bild- und Buchdrucks der 1830er-1850er Jahre und die frühe Geschichte des Schreibinstruments Schere widmet sich die Arbeit aber auch einer Zäsur in der Genealogie des Schreibens, die in der literaturwissenschaftlichen Medientheorie bislang zu wenig Beachtung gefunden hat.


Von Quanten und unsterblichen Soldaten. Zeit- und Raumaspekte bei Ib Michael

Ingo Sundmacher

Saarbrücken: SVH-Verlag, 2016

Seiten: 180

EUR: 79,90

ISBN: 978-3-8381-5265-3

Ib Michael verbindet Magischen Realismus, südamerikanische indigene Mythen und fernöstliche Denkweisen mit Quantenphysik und Komplementarität Allen diesen Ansätzen gemeinsam ist eine spezifische Betrachtung von Zeit und Raum, die sich je nach Standpunkt des Betrachters in Bezug aufeinander verändern und damit auch Geschichte(n). Dies steht im Zusammenhang mit einem Dualismus, der sich ebenfalls überall dort finden lässt. Durch das ganze Werk Ib Michaels hindurch wird dieser Dualismus und sein besonderes Verhältnis zu Zeit und Raum durch die immer wieder in verschiedener Gestalt auftauchende Figur des unsterblichen Soldaten personifiziert. Diese Figur bindet nicht nur die einzelnen (vor allem) Romane aneinander, indem sie immer wieder Züge trägt, die einen bestimmten Wiedererkennungswert haben, sie steht auch mit dem Autor selbst in Verbindung, der darüber hinaus immer wieder sich selbst als Ich-Erzähler konkret in die Handlung einbaut. Nicht zuletzt daraus ergibt sich ein Kernthema seines Werkes: die Frage nach Identität in einem alles verbindenden Multiversum. Am Roman ‚Kejserfortællingen‘ wird die Untersuchung der Schlüsselfigur des unsterblichen Soldaten letztlich abgerundet.


Nordische Malerei. Im Licht der Moderne

Katharina Alsen, Annika Landmann

München [u.a.]: Prestel, 2016

Seiten: 304

EUR: 69,-

ISBN: 978-3-7913-8130-5

Dieser reich bebilderte Band stellt die wichtigsten Stilrichtungen, Künstler und Werke der nordischen Malerei vor. Mit Schwerpunkt auf der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts stehen Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island im Mittelpunkt, daneben werden mit den Faröern, Grönland und dem deutsch-dänischen Grenzgebiet ebenso interessante nordische Regionen betrachtet.

Die Autorinnen Katharina Alsen und Annika Landmann untersuchen wichtige Bildthemen wie Landschaften, Porträts, Interieurs, Großstadtmotivik und Abstraktion anhand bedeutender Werke von Künstlern wie Edvard Munch, Vilhelm Hammershøi, Helene Schjerfbeck, Jóhannes S. Kjarval oder Sigrid Hjertén.

Auf der Grundlage neuester Forschung widmet sich der umfangreiche Band vielfältigen und neuartigen Fragestellungen wie nach den Wechselwirkungen zwischen nordischen und mitteleuropäischen Künstlern oder nach der Entwicklung der Moderne in der Kunst des Nordens. Darüber hinaus eröffnen sich Perspektiven auf die Gegenwart: Der Ausblick auf die Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Ragnar Kjartansson oder Olafur Eliasson, die sich thematisch und formell auf das vorige Jahrhundert rückbeziehen, veranschaulicht die nachhaltige Bedeutung, die der nordischen Moderne bis heute zukommt.

Aufwändig produziert und üppig illustriert eröffnet dieses opulente Standardwerk ein facettenreiches Panorama der Kunst im nordischen Raum.


Der Sprachwechsel in Angeln im 19. Jahrhundert. Eine kulturhistorische Untersuchung zum Verlust der dänischen Varietät „Sønderjysk“ im Transformationsprozess zur Moderne

Harald Wolbersen

Hamburg: Kovac, 2016 (= Schriften zur Kulturgeschichte, Band 42)

Seiten: 384

EUR: 99,80

ISBN: 978-3-8300-9212-4

Die gesprochene Sprache in der Region Angeln im Herzogtum Schleswig war Dänisch. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verschwand die Sprache von der Landkarte und wurde vom Nieder- und Hochdeutschen abgelöst. Historiker gehen noch heute davon aus, dass der Sprachwechsel ungewöhnlich schnell geschah, und dass es eine Frage des Prestiges gewesen sei, Deutsch zu sein und zu sprechen. Doch welche Rolle spielten die nationalen Eliten in der sprachlichen Auseinandersetzung und welche Sprachen wurden stigmatisiert? Das Buch zeichnet den Diskurs über die dänische Mundart in der Phase der Nationalisierung nach, die sich im Laufe des Jahrhunderts zu einer Massenbewegung entfaltete. Darüber hinaus wird das sprachliche System der historischen dänischen Varietät beschrieben und in Zusammenhang mit der traditionellen Sprach­kontakt­region gebracht. Das nationale Konzept der Sprachgeschichte war darauf bedacht, die Sprachen der Region, insbesondere Dänisch und Deutsch, stark voneinander zu unterscheiden. Die historische Realität war in der Vor- und Frühmoderne jedoch eine andere: Die Sprachen glichen sich an.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Quellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die von Schreibern einfacher Herkunft stammen und bisher wenig Berücksichtigung fanden. Angeln, das zu dem Zeitpunkt ein administrativer Teil des dänischen Gesamtstaats war, befand sich in einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruch. Die Texte belegen den Sprachgebrauch in Briefen, Tagebüchern und Schulheften sowie eine fortschreitende Durchdringung des Alltagslebens mit Schriftlichkeit. Zu einem ganz überwiegenden Teil sind die Texte in hochdeutscher Sprache abgefasst. In einigen Dokumenten lassen sich Einflüsse der nieder­deutschen und/oder dänischen Sprache nachweisen, während andere nach hochdeutschen Vorlagen verfasst sind. Mit der Alphabetisierung und einer homogenisierter Sprache war letztlich die Plattform für die Nationalisierung der späteren Epoche geschaffen. Auch für den Sprachwechsel in Angeln war das Hochdeutsche als Schriftsprache entscheidend.


Isländische Erinnerungskultur 1100-1300: Altnordische Historiographie und kulturelles Gedächtnis

Laura Sonja Wamhoff

Tübingen: Narr, 2016 (= Beiträge zur nordischen Philologie; 57)

Seiten: 260

EUR: 59,-

ISBN: 978-3-7720-8585-7

Die isländische Literatur hat heute eine zentrale Funktion für die Identitätsstiftung, der Beginn dieses Identitätdiskurses ist bisher jedoch ungeklärt. Diese Frage greift der Band auf und diskutiert mit dem Blick auf die Literaturproduktion von 1100-1300 mithilfe kulturwissenschaftlicher Gedächtnistheorien die Rolle der Schrift, Erinnerungstechniken und -strategien. Diese zeigen, dass Vergangenheit in Island konträr erinnert wurde und nur ein geringer Bestand an kollektiven Erinnerungen existierte. Kompensiert wurde dieses Desiderat durch die Königssagas, innerhalb derer ein Identitätsdiskurs entwickelt wurde, der Erinnerungskonkurrenzen dialogisch aushandelte. Durch diese Kontrolle über die Historiographie gelang es den Isländern, ihre bedrohte kollektive Identität zu erhalten.

Die Entwicklung der Literatur ab 1100 geht daher mit der Aufforderung zu einem unaufhörlichen Erinnern einher, die das kulturelle Gedächtnis der Isländer stets in sich trug.

Dr. Laura Sonja Wamhoff promovierte und lehrte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.


Wie viel Bart darf sein? Jüdische Figuren im skandinavischen Theater

Clemens Räthel

Tübingen: Narr, 2016

Seiten: 389

EUR: 59,-

ISBN: 978-3-7720-8579-6

Die Darstellung von Juden auf der Bühne ist so alt wie das europäische Theater selbst. Zumeist treffen dabei negativ gezeichnete Figuren auf ihre in aufklärerischer Absicht erschaffenen edlen Glaubensgenossen. Die Auseinandersetzungen, die um diese Darstellungen geführt werden, spiegeln dabei häufig gesellschaftlich virulente Diskurse über das Verhältnis der nicht-jüdischen Mehrheit zur jüdischen Minderheit: Wie (un-)sichtbar soll der Andere auftreten, welche Bedingungen werden an gesellschaftliche Teilhabe geknüpft -€“ oder anders gefragt: Wie viel Bart darf sein? Dieser Band untersucht die bisher auߟer Acht gelassenen jüdischen Bühnenfiguren in den skandinavischen Nationaltheatern im 18. und 19. Jahrhundert. In der Begegnung zwischen Aufführungspraxis, gesellschaftspolitischen Prozessen und dramatischen Texten entsteht ein lebendiges Bild, das mehrdimensional die Sonderstellung dieser Länder beleuchtet. Zugleich hinterfragt das Buch die Annahme von vermeintlich homogenen nordeuropäischen Gesellschaften und bereichert aktuelle Integrationsdebatten um eine historisch-ästhetische Dimension.


»Rider ud saa vide«: Balladenspuren in der skandinavischen Kultur

Annegret Heitmann/Katarina Yngborn (Hgg.)

Freiburg: Rombach, 2016 (= Nordica; Band 22).

Seiten: 322

EUR: 38,-

ISBN: 978-3-7930-9833-1

Seit dem Mittelalter lassen sich Dichter, Musiker und bildende Künstler von den tradierten skandinavischen Volksballaden inspirieren. Die Rezeption findet in der Hoch- wie in der Populärkultur statt: von Kalkmalereien bis zu Heavy Metal oder Comicstrips. In zwölf Beiträgen untersucht der Band »Rider ud saa vide«, in welcher Form die Balladen aufgegriffen, innovativ genutzt und medial transponiert werden. Beispiele aus Dänemark, Norwegen, Schweden und von den Färöern, aus Literatur, Musik und Malerei werden vorgestellt, um die intertextuelle und intermediale Funktion der Balladen zu erforschen. Dabei werden Wirkung und Gründe für die Produktivität und Popularität des alten Genres erfasst. Der Sammelband ist ein erster Versuch zur Kartierung und Analyse dieses gesamtskandinavischen intermedialen Rezeptionsphänomens.  


North Atlantic Euroscepticism. The Rejection of EU membership in the Faroe Islands and Greenland

Christian Rebhan

Tórshavn: Fróðskapar Forlag, 2016 (= Supplementum LXVII).

Seiten: 230

DKK: 220,-

ISBN: 978-99918-65-76-8

 

The European Union is attracting more and more members. But not all of Europe is equally attracted to membership. In Europe’s North-Atlantic outskirts, the Faroe Islands and Greenland – two largely autonomous parts of Denmark – are holding out against increased European integration. When Denmark joined the European Communities in 1973, the Faroe Islands remained outside. Greenland had to join the European Communities against its will. But in 1985, Greenland became the first and only nation so far to withdraw its membership. This book explores Euroscepticism in the Faroe Islands and Greenland since 1959. Why did the Faroe Islands and Greenland reject EU membership? In order to keep their waters free from European fishermen or to preserve their political independence? And what were the consequences of Denmark becoming a member of the EU, while two self-governing parts of its territory did not?  


Geschlechterdiskurse um 1900: Literarische Identitätsentwürfe im Kontext deutsch-skandinavischer Raumproduktion

Jenny Bauer

Bielefeld: transcript, 2016.

Seiten: 314

EUR: 39,90

ISBN: 978-3-8376-3208-8

 

Die frühe Moderne gilt als eine Epoche sich dynamisierender Geschlechterbeziehungen. Skandinavien nimmt in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion für den deutschsprachigen Diskurs ein. Anhand von Romanen von Thomas Mann, Gabriele Reuter, Herman Bang und Toni Schwabe zeigt Jenny Bauer, dass die Diversität literarischer Identitätsentwürfe eng an die Produktion sozialer, nationaler und imaginärer Räume gebunden ist. Diese verschiedenen Dimensionen des Raumes bilden das Kernstück von Henri Lefebvres Theorie, die hier erstmals zur Analyse literarischer Texte eingesetzt wird. In diesem Zusammenhang werden Korrelationen zwischen Lefebvres prozesshaftem Raumdenken und aktuellen Gender-Theorien sichtbar.


Die Speerspitze von Älgsjö – ein frühes samisches Sprachdenkmal?

Ulrich Latzenhofer

Wien: 2016 (= Miscellanea septentrionalia, 7).

Seiten: 34

EUR: - (hier kostenlos als PDF abrufbar)

 

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die Runeninschrift auf der steinernen Speerspitze von Älgsjö (6./7. Jahrhundert?) als samischen Text zu interpretieren. Die Einwortinschrift bjʀo ist als ursüdsam. *bijrrᴖ̄ deutbar. Dabei kann es sich um den unter Vermittlung des Finnischen aus dem Baltischen entlehnten Namen eines Donnergottes, möglicherweise auch eines Höllengottes handeln. Es besteht Grund zur Annahme, dass das finnische Etymon piru in Analogie zu estn. põrgu, põrgel mit dem finnischen Wort perkele verwandt ist, das wahrscheinlich als Kontamination aus den baltischen Götternamen Perkū́ nas und Pykùlas entstanden ist. Die Interpretation als Name eines Donnergottes würde gut zu bisherigen Deutungen passen, die die Speerspitze von Älgsjö mit Donnersteinen in Zusammenhang bringen. Außerdem könnte die Kombination des Donnergottes mit der auf der Rückseite der Speerspitze dargestellten Schlange (und eventuell einem Fisch) als Hinweis auf den indogermanischen Mythos vom Kampf des Wettergottes gegen einen Schlangendämon gedeutet werden.


Kosmopolitismus und Körperlichkeit im europäischen Theater des 18. Jahrhunderts

Katharina Müller, Stephan Michael Schröder (Hg.)

München: Utz, 2016 (= Münchner Nordistische Studien; 20).

Seiten: 298

EUR: 49,-

ISBN: 978-3-8316-4428-5

Wie ist der Zusammenhang von Kosmopolitismus und Körperlichkeit im Drama und Theater des 18. Jahrhunderts beschaffen? Wie werden das zeitgenössische Konzept des Kosmopolitismus und die zeittypische Veränderung der Körperlichkeit auf der Bühne performativ umgesetzt, spielerisch erprobt und gegebenenfalls bestätigt? Antworten auf diese Fragen geben in diesem Band skandinavistische, anglistische, germanistische, romanistische und theaterwissenschaftliche Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Dänemark und Schweden. Die komparatistische Perspektivierung der dänisch-norwegischen, schwedischen, deutschen, englischen und französischen Dramatik des 18. Jahrhunderts erlaubt es, Differenzen ebenso wie Übereinstimmungen zwischen den verschiedenen europäischen Theaterkulturen produktiv zu beleuchten.


Rollon: de l’histoire à la fiction. État des sources et essai biographique

Liliane Irlenbusch-Reynard

Bruxelles [u. a.]: Lang, 2016.

Seiten: 241

EUR: 49,20

ISBN: 978-2-87574-324-4 br.

Lorsque Rollon et sa bande s’établissent en basse Seine, depuis plus d’un siècle déjà, l’Occident chrétien est victime des raids vikings. Après les régions côtières, les bassins fluviaux sont la proie des pillards. Dans un premier temps, l’Empire carolingien résiste efficacement, mais à partir des années 840, affaibli par les conflits internes, la défense vacille. Les Vikings remontent les fleuves et leurs affluents, et pillent cités et monastères. Puis ils prélèvent des tributs et finalement certains décident de s’établir, sollicitant alors une reconnaissance officielle de la part du prince souverain du pays. Ainsi, en 911 à Saint-Clair-sur Epte, Rollon obtient de Charles le Simple Rouen et sa région. Ce sera la seule principauté viking qui ne connaîtra pas un destin éphémère. Pourtant, de ce chef scandinave fondateur de la Normandie et de son parcours, on ne sait finalement que peu de chose avec certitude. Était-il danois ou norvégien ? Cette question suscita la polémique. Aussi cette étude s’attache-t-elle en premier lieu à donner au lecteur accès aux sources, à savoir aux sagas, chroniques et autres écrits de l’Occident chrétien, qui gardent mémoire du chef viking. Au fil de l’exposé, on découvre les spécificités des différentes traditions historiographiques et des contextes géo-politiques et culturels d’où proviennent ces témoignages ; on découvre également comment les informations circulaient, traçant les contours d’une Europe allant de l’Islande à la Sicile. Et finalement, c’est un scénario qui s’affirme, celui du parcours de Rollon, au plus près de l’histoire.


Familiäre Beziehungen in den þættir und den Isländersagas

Katja Jakob

Berlin: Logos, 2016.

Seiten: 400

EUR: 43,50

ISBN: 978-3-8325-4200-9

Zweifellos steht das Thema Familie im Zentrum der Isländersagas. Dennoch wurden die dargestellten familiären Beziehungen bislang nicht umfassend erforscht. Dies ist gerade angesichts des ideologischen Missbrauchs der Texte zu Zeiten des Nationalsozialismus ein Defizit. Bisher vorliegende Untersuchungen beschränken sich auf eine Auswahl von Texten, analysieren familiäre Beziehungen nicht in ihrer Gänze und versuchen darüber hinaus zumeist, eine historische Wirklichkeit zu rekonstruieren. Die þættir, kürzere Erzählungen, die den Isländersagas thematisch nahestehen, wurden in der Forschung bisher beinahe gänzlich vernachlässigt. Die vorliegende Arbeit untersucht daher familiäre Beziehungen in den þættir und den Isländersagas als literarisches Motiv, seine Verwendung, Funktion und Bedeutung in der jeweiligen Erzählung. Auf Grund der Analyse familiärer Beziehungen im Kontext des Erzählten bietet das vorliegende Werk detaillierte Inhaltsübersichten zu den einzelnen Texten. Ergänzt wird die Analyse durch eine umfassende motivisch gegliederte Übersicht mit den entsprechenden Belegstellen.


Kritische Bemerkungen zu neuen Übersetzungen von Isländersagas

Rolf Heller

Wien: 2016 (= Miscellanea septentrionalia, 6).

Seiten: 132

EUR: -

 

Kostenlos hier als PDF abrufbar.

 

Unter den Neuerscheinungen auf der Frankfurter Buchmesse 2011 erweckte die im S. Fischer-Verlag in vier umfangreichen Bänden und einem Begleitband publizierte Neuübersetzung von Isländersagas besondere Aufmerksamkeit. In dieser Arbeit werden die Übersetzungen zweier bekannter Isländersagas – Laxdœla saga und Grettis saga Ásmundarsonar – auf ihre Korrektheit überprüft.

Zwischen Germanomanie und Antisemitismus. Transformationen altnordischer Mythologie in den Metal-Subkulturen

Niels Penke, Matthias Teichert

Baden-Baden: Nomos, 2016 (= Interdisziplinäre Antisemitismusforschung / Interdisciplinary Studies on Antisemitism, Band 4.).

Seiten: 216

EUR: 39,-

ISBN: 978-3-8487-1275-5

(Black) Metal rezipiert eine Bricolage aus Satanismus, (nord-)germanischen Mythen, völkischer Weltanschauung und Nietzsches Philosophie des „Übermenschen“. Dabei lassen sich im Umgang mit dem altnordischen Mythos unterschiedliche Muster erkennen. Der (scheinbar) intentionslosen, ›trivialen‹ Inszenierung als ›Wikinger‹ samt der Verwendung von cultural icons (›Karnevalisierung‹) stehen ambitioniertere, um Authentizität bemühte Projekte als eine (völkisch-antisemitisch aufgeladene) Neuromantik gegenüber, deren Inhalte viele Momente des völkischen Antisemitismus aufweisen. In allen Spielarten hat der Rückgriff auf die ›eigene‹ Geschichte und vermeintlich unverfremdete Kultur eine identitätsbildende Kraft, die über die Identifikation mit der ›germanischen Kultur‹ ein positives Selbstbild entwirft und als ultimatives Feindbild „das Jüdische“ impliziert. Dieser Dialogizität von Antisemitismus als „negativer Leitidee“ und ›Germantentum‹-Konstruktionen gehen die Beiträge des Bandes nach.

 



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