Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Dr. Frank Zimmer

Engagierte Geschichte/n. Dokumentarisches Erzählen im schwedischen und norwegischen Roman 1965-2000

Disputation:
am 29.1.2007 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Kontakt:
frank.zim@gmx.de

Abstract:
Die Studie untersucht Theorie und Text des 'klassischen' Dokumentarismus der 1960er und 1970er Jahre sowie des 'neuen Dokumentarismus' der 1990er Jahre in Schweden und Norwegen. Damit weist die Arbeit eine literarhistorische Ausrichtung auf, werden doch nicht zuletzt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Phasen dokumentarischen Erzählens in den Blick genommen. Darüber hinaus ist die Arbeit genretheoretisch orientiert, insofern eine umfassende Explikation der Dokumentarliteratur im Allgemeinen und des Dokumentarromans im Besonderen erfolgt. Diesem Bemühen liegt die Auffassung zu Grunde, dass Genreausprägungen stets auch in Beziehung zum jeweiligen kulturellen Kontext stehen (beispielsweise auf historiographische Diskurse rekurrieren) und deshalb sinnvoll aus funktionsgeschichtlicher Perspektive zu betrachten sind. Damit ist bereits eine dritte Ausrichtung der Studie angedeutet, versteht sich die Arbeit doch auch als kulturwissenschaftlich orientiert, nämlich dergestalt, dass die textanalytische durch eine diskursanalytische Herangehensweise ergänzt wird. Während die Dokumentarliteratur der 1960er und 1970er Jahre nämlich nicht ohne den diskursiven Kontext einer Debatte über Engagement und Rezeptionsästhetik verständlich wird, so die der 1990er Jahre nicht ohne eine Berücksichtigung der vorangegangenen literatur- und geschichtstheoretischen Debatten sowie der einsetzenden Abkehr vom (sozialdemokratischen) 'Volksheimdiskurs', jenes Gesellschaftskonzepts eines egalitären Sozialstaats also, das die schwedische und norwegische Politik und Kultur im 20. Jahrhundert entscheidend prägte. Im Sinne einer 'symptomalen Lektüre' (Bogdal) sollen die analysierten Romane so gesehen als Symptome einer bestimmten diskursiven Formation gelesen werden. Von besonderem Interesse ist dabei das Zusammenspiel von dokumentarischem Erzählverfahren und inszeniertem Identitätsdiskurs. Konkret geht es also bei den Einzelanalysen darum, zu untersuchen, wie 'Schweden' respektive 'Norwegen' oder generell der 'Norden' in den Texten 'gedacht' wird und welche literarischen Verfahren für die Darstellung fruchtbar gemacht werden. Insofern in den zu analysierenden Texten überwiegend von der eigenen nationalen Vergangenheit erzählt wird, kommt der expliziten oder impliziten Bezugnahme auf geschichtstheoretische Probleme bei der Untersuchung eine wichtige Funktion zu.
Die Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte. Im ersten Hauptteil werden der kulturtheoretische und methodische Rahmen der Studie (Kap. 1) und die genretheoretische Dimension dokumentarischen Erzählens (Kap. 2) abgesteckt. Der zweite Hauptteil beginnt mit einem Überblickskapitel zur Dokumentarismusdebatte und zum dokumentarischen Erzählen in den 1960er und 1970er Jahren, wobei ein schwedischer Reportagetext und drei norwegische Dokumentarromane etwas eingehender präsentiert werden (Kap. 3). Das vierte Kapitel widmet sich dann Per Olov Enquists Legionärerna (1968) als dem wohl bekanntesten und wegweisenden Dokumentarroman dieser Zeit. Im dritten Hauptteil schließlich wird der 'neue Dokumentarismus' der 1990er Jahre analysiert, zunächst wiederum in einem auch den kulturellen und theoretischen Kontext berücksichtigenden Überblickskapitel, auf den die beiden exemplarischen Analysen von Dag Solstads Medaljens forside (1990) und Ola Larsmos Himmel och jord må brinna (1993) folgen.

Aufsätze (Auswahl):
- "Organisation und Funktion von Buchverlagen aus systemtheoretischer Perspektive".
In: Jahrbuch für Kulturmanagement 2002. Baden-Baden 2003, 215-226.
- "'Das Ich und die Anderen'. Konstruktionen des Subjekts in Per Olof Sundmans Ingenjör Andrées luftfärd". In: Skandinavistik 33 (2003), 15-39.
- "'Das inszenierte Leben'. Raumsemantik und Subjektkonstituierung in Eduard von Keyserlings Erzählung Am Südhang". In: Literatur in Wissenschaft und Unterricht (LWU) 36 (2003), 191-215.
- "'Det vita bladets strandlösa hav'. Zur Krise des Subjekts in Runar Schildts Erzählung Häxskogen". In: Skandinavistik 34 (2004), 31-50.

 

Zurück zur Übersicht.

Sind Sie an der Aufnahme ihrer Forschungsarbeit in unser Verzeichnis interessiert, kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail.
Den Text zu Ihrer Arbeit sollten Sie an der Form der schon aufgenommen Arbeiten ausrichten.