Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Dr. Harald Wolbersen

Der Sprachwechsel in Angeln im 19. Jahrhundert. Eine kulturhistorische Untersuchung zum Verlust der dänischen Varietät „Sønderjysk“ im Transformationsprozess zur Moderne

Betreuer:
Prof. Dr. Elin Fredsted

Ort:
Flensburg

Kontakt: wolbersen@web.de

Tag der Disputation: 26. Mai 2016 an der Europa-Universität Flensburg

Publikation: Der Sprachwechsel in Angeln im 19. Jahrhundert. Eine kulturhistorische Untersuchung zum Verlust der dänischen Varietät „Sønderjysk“ im Transformationsprozess zur Moderne. Hamburg, Kovac, 2016.

Abstract:
Die gesprochene Sprache um 1800 in der Region Angeln im Herzogtum Schleswig war eine Varietät des Dänischen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verschwand die Sprache von der Landkarte und wurde vom Nieder- und Hochdeutschen abgelöst. Historiker gehen noch heute davon aus, dass der Sprachwechsel ungewöhnlich schnell geschah, und dass es für die Bevölkerung eine Frage des Prestiges gewesen sei, Deutsch zu sein und zu sprechen. Die sprachliche Erosion des gesprochenen Dänischen ging einerseits mit ihrer Stigmatisierung und andererseits mit dem zunehmenden Prestige der deutschen Varietäten einher. Der Diskurs über die dänische Mundart war in der Phase der Nationalisierung von neuartigen, elitären Paradigmen geprägt, die im Laufe des Jahrhunderts die Massen beeinflussen sollten. Das sprachliche System der historischen dänischen Varietät und ihre sprachkontaktlichen Merkmale bildeten eine mündliche Varietät eigener Art des vormodernen Sprachgebrauchs, wie anhand von Aufzeichnungen und Textproben analysierbar ist. Das aufkommende nationale Konzept der Sprachgeschichtsschreibung war dagegen darauf bedacht, die Sprachen der Region, insbesondere Dänisch und Deutsch, stark voneinander zu unterscheiden und in ihrer jeweiligen hochsprachlichen Varietät eine Homogenisierung und Standardisierung voranzubringen. Die historische Realität in der Region Schleswig war indes während der Vor- und Frühmoderne traditionell von einer Vielfalt der Vernakularsprachen und einer pragmatischen Konvergenz dieser geprägt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Quellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die von Schreibern einfacher Herkunft stammen und bisher wenig Berücksichtigung fanden. Angeln, das zu dem Zeitpunkt ein administrativer Teil des dänischen Gesamtstaats war, befand sich in einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruch. Die Texte belegen den Sprachgebrauch in Briefen, Tagebüchern und Schulheften sowie die fortschreitende Durchdringung des Alltagslebens mit Schriftlichkeit. Zu einem ganz überwiegenden Teil sind die Texte in hochdeutscher Sprache abgefasst, jedoch mit unterschiedlichen Merkmalen. Während in einigen Dokumenten Einflüsse der niederdeutschen und/oder der dänischen Sprache nachweisbar sind, wurden andere gänzlich nach hochdeutschen Vorlagen verfasst. Mit der Alphabetisierung und dem Voranschreiten einer homogenisierten Sprache wurde letztlich sozial und kulturell eine Plattform für die Nationalisierung Angelns, in der Epoche nach dem Sprachwechsel, geschaffen.

 

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