Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Dr. phil. Gertraud Rothlauf

Vom Schtetl zum Polarkreis. Juden und Judentum in der norwegischen Literatur

Defensio:
23. November 2009 an der Universität zu Wien

Kontakt:
gertraudrothlauf@aon.at

Abstract (deutsch):
Die hier vorliegende Untersuchung gibt im ersten Teil einen Überblick über Juden und Judentum in der norwegischen Literatur und umfasst sowohl jüdische als auch nicht jüdische Autoren. Neben belletristischen Werken wird auch die Fachliteratur kurz besprochen. Die zeitliche Gliederung orientiert sich an der Geschichte der Juden in Norwegen, die sich in der Literatur widerspiegelt. Bis 1814 war Juden der Aufenthalt in Norwegen nur in sehr beschränktem Ausmaß, von 1814-1851 überhaupt nicht erlaubt. Um 1900 wanderten vorwiegend russische Juden nach Norwegen ein. Als Folge der Okkupation Norwegens durch Deutschland 1940 wurden 1942 fast achthundert Juden deportiert und in Konzentrationslagern ermordet, mehr als tausend entkamen ins Exil. Juden werden bereits in mittelalterlichen Sagas erwähnt. Juden findet man in Werken von Petter Dass (1647-1707), Ludvig Holberg (1684-1745), Henrik Wergeland (1808-45), Henrik Ibsen (1828-1906), Knut Hamsun (1859-1952) und vielen anderen Autoren bzw. es gibt darin Hinweise auf das Judentum. In der Nachkriegsliteratur wurde vor allem der Holocaust literarisch behandelt. Mehrere norwegische Juden schrieben Autobiografien.

Im zweiten Teil der hier vorliegenden Arbeit wird die Auswahl und Behandlung von Themen und Motiven durch verschiedene Autoren in der Prosa ab etwa 1890 analysiert und untersucht, ob es in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen nicht jüdischen Autoren und Verfassern, die in der jüdischen Tradition wurzeln, gibt. Stereotypische Darstellungen von Juden als geldgierige Kaufleute, als Ahasverus-Figuren, als exotische Frauen oder als „vorbildliche Juden“ beschränken sich auf einen Teil der nicht jüdischen Autoren. Juden selbst stellen sich realistisch dar. Das „Fremdsein“ wird vorwiegend von nicht jüdischen Autoren thematisiert.

Abstract (english):
In the first part of this study a detailed and comprehensive survey of the Jews and Judaism is presented. This investigation includes Jewish authors and authors with Jewish roots as well as the presentation of Judaism by non-Jewish authors and comprehends fiction and non-fiction literature. The chronological structure is based on the history of the Jews in Norway as it is reflected in the Norwegian literature. Until 1814 the permission for residence for Jews was only given by special approval of the king. Between 1814 and 1851 there was no access to Norway for Jews. After the annulment of this regulation a number of Russian Jews immigrated to Norway. Germany occupied Norway on 9. April 1940. Almost 800 Jews were deported in November 1942 and murdered in concentration camps, about 1000 Jews escaped into exile.

Jews have already been mentioned in medieval Sagas. Henrik Wergeland (1808-45) endlessly demanded in his work the right to immigrate for Jews. In works of Ludvig Holberg (1684-1745), Henrik Ibsen (1828-1906), Knut Hamsun (1859-1952) and many other authors Jews play parts or at least traces of Judaism can be found. After 1945 norwegian jews wrote a number of autoBiografies. Non-Jewish authors wrote many non-fictionional books, documentaristic novels, short stories and books The second part of this study analyses the selection and treatment of themes and motifs by different prose-writers from 1890 to 2008 and treats the differences between authors with Jewish tradition and non-Jewish authors. Some non-Jewish writers showed Jews in a stereotypical way as greedy merchants, as the world-wandering Ahasverus-figures, as exotic and seductive women or in an idealistic way as „the ideal Jew“. Jews described themselves in a more realistic way.

 

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