Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Christiane Müller

Karen Blixen und die Bibel

Betreuer:
Prof. Dr. Julia Zernack

Kontakt:
christiane.mueller@em.uni-frankfurt.de

Abstract:
Wenn man die umfangreiche Forschung zum Werk der dänischen Verfasserin Karen Blixen betrachtet, fällt auf, daß zwar immer wieder auf die intensive Intertextualität in den Erzählungen Blixens hingewiesen wird, über deren Bedeutung in ihrem Werk jedoch bisher keine Studien vorliegen. Auch nach textnahen Analysen und anderen Untersuchungen zu den Erzählungen muß man in der Forschung lange suchen. Stattdessen ist die Sekundärliteratur auf eine einzigartige Weise geprägt von einer Vielzahl an Beiträgen über die exotische Biographie der Verfasserin.
Mein Dissertationsprojekt zu Blixen soll sich deshalb genau dem zuwenden, was bisher in der Forschung weitgehend ausgespart wurde: dem Text selbst.
Betrachtet man entsprechend Blixens Erzählungen, fällt auf, daß die oben erwähnte Intertextualität in besonderer Dichte in Form von Bibelrezeption vorliegt. Dabei kreist der häufige Gebrauch der Bibel als Intertext um drei thematische Schwerpunkte: die Schöpfungsgeschichte und die Vertreibung aus dem Paradies, die jungfräuliche Empfängnis und Geburt Jesu Christi sowie die Passion und Kreuzigung. Diese biblischen Stoffe durchziehen alle Erzählungen Blixens. Dabei erfahren sie eine Umdeutung, die man als bibel- und christentumskritisch bezeichnen muß: Der Offenbarungscharakter des Wortes Gottes wird negiert und an seine Stelle tritt das Erzählen, das nun den Mythos als Identitätsstifter für den Menschen ablöst. Gleichzeitig wird hierbei deutlich, welche Poetologie Blixen für sich in Anspruch nimmt und vertritt.
In meiner Dissertation mit dem Arbeitstitel "Karen Blixen und die Bibel" sollen je drei Erzählungen Blixens in textnahen Untersuchungen in Bezug gesetzt werden zu jeweils einem der drei erwähnten biblischen Themen. Es werden also zunächst insgesamt neun Erzählungen in dieser Weise genau analysiert.
Darüber hinaus wird in einem weiteren Schritt die auffällige Dichte intertextueller Bezüge im Werk Blixens generell ins Blickfeld rücken, die die Blixen-Forschung bisher meist nur erwähnt hat. Dabei soll exemplarisch untersucht werden, ob die neben der Bibel verwendeten Intertexte in einem Zusammenhang mit Blixens Bibelkritik zu sehen sind und wenn in welchem. Es schließt sich die Frage an, ob somit die übrigen Intertexte in den Erzählungen als im Dienste der eigentlichen Bibelkritik stehend zu werten sind, ob also de facto Blixens Intertextualität insgesamt in diesem Licht zu betrachten ist.

 

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