Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Hanna Mühlbauer

Stedshistorier. Verortung von Natur und Kultur in norwegischer Lyrik

Betreuer:
Prof. Dr. Joachim Grage

Kontakt:
hannaEM@web.de

Ort:
Freiburg

Abstract:
Sowohl Natur als auch mittelalterliche Mythen und Sagen sind elementar für die Ausbildung einer norwegischen nationalen Identität und werden seit dem 18. Jahrhundert häufig in norwegischer Literatur thematisiert. Während Natur und Kultur in der Moderne generell als dichotome Sphären wahrgenommen werden (auf der einen Seite die universelle, zeitlose, ihren eigenen Gesetzen unterworfene Natur, auf der anderen Seite die sozial konstruierte Kultur, die sich dynamisch verändert und über kulturelles und kollektives Gedächtnis Identitäten konstituiert), so verorten doch zahlreiche topographisch-lyrische Texte kulturell relevante Begebenheiten im Naturraum. Gleichzeitig werden Teile der natürlichen Umwelt durch Benennung und historische bzw. mythische Aufladung zu spezifischen Orten und literarischen Landschaften mit konkreter Geschichte. Dabei werden mehrfach Grenzen transzendiert: Inhaltlich wird das Verhältnis von Natur und Kultur, Raum und Zeit, Ort und Geschichte bzw. Erinnerung thematisiert; auf textlicher Ebene werden lyrische Beschreibung und Handlungsbericht kombiniert, epische und narrative Elemente in lyrische Texte integriert und zentrallyrische Konzepte in Frage gestellt.

Anhand ausgewählter Texte von Claus und Peter Harboe Frimann, Andreas Munch, Johan Sebastian Welhaven, Henrik Wergeland, Henrik Ibsen, Arne Garborg, Olav Nygard und Olav H. Hauge lassen sich Traditionslinien und Veränderungen in norwegischer topographischer Lyrik nachvollziehen. Ein aufsehenerregendes Beispiel für die Aktualität dieser Tradition ist Erlend Nødtvedts Harudes (2008), in dessen Beschreibung der Region Hardanger das Bild einer Landschaft entsteht, die durch zahlreiche mythische, historische und künstlerische Traditionsschichten geprägt ist -€“ angefangen bei der Etymologie alter Ortsnamen über Verweise auf Runeninschriften und altnordische Überlieferungen bis hin zu Bearbeitungen in Musik, Malerei und Literatur. Somit wird die kulturelle Konstruiertheit von Natur- und Landschaftswahrnehmung offenbar; der Text fungiert als Knotenpunkt diverser literarischer Diskurse über Natur, Geschichte, Erinnerung und Identität.

Unter Berücksichtigung dieser Diskurse und unter Einbeziehung raumsemantischer Theorien sollen ausgehend von der literarisch wiedergegebenen Landschaft als Projektionsfläche sowohl die Gültigkeit dichotomer Konzepte von Natur und Kultur für den jeweiligen Text hinterfragt als auch die textlichen Mechanismen der Aktualisierung von historischen und mythischen Ereignissen erarbeitet werden. Im Fokus des Projekts steht somit die literarische Verortung von Kulturgeschichte(n) in der Natur.

 

Zurück zur Übersicht.

Sind Sie an der Aufnahme ihrer Forschungsarbeit in unser Verzeichnis interessiert, kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail.
Den Text zu Ihrer Arbeit sollten Sie an der Form der schon aufgenommen Arbeiten ausrichten.