Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Carolin Löher

Dachmarke Literatur. Literaturhäuser in Deutschland und Skandinavien (Arbeitstitel)

Betreuerin:
Prof. Dr. Karin Hoff, Prof. Dr. Simone Winko

Ort:
Göttingen

Kontakt:
carolin.loeher@phil.uni-goettingen.de

Abstract:
Seit Beginn des Zeitalters der Digitalisierung in den 1980er Jahren manifestiert sich unter dem Schlagwort 'Eventisierung' eine Renaissance des Hörens und Erlebens, die bereits als Gesellschaftstendenz akzeptiert wurde. Auch Literatur tritt aus dem privaten Raum der stillen, einsamen Lektüre hervor und findet verstärkt in einer Öffentlichkeit statt - mit weitreichenden Auswirkungen auf die Literaturvermittlung. In diesem Zusammenhang formiert sich eine Einrichtung, die viele Aspekte davon unter einem Dach versammelt: das Literaturhaus. 1986 entsteht in Berlin das erste Literaturhaus, weitere Gründungen folgen in Deutschland, dann in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz und schließlich auch in Skandinavien. Knapp 30 Jahre nach der ersten Eröffnung ist das Prinzip keinesfalls überholt: Neugründungen und Umstrukturierungen befeuern die Diskussionen um Aufgaben, Konzepte und Zielsetzungen der nicht-kommerziellen Literaturvermittlung. Einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung leistet dieses Projekt. Ansatzpunkt bildet das Spannungsverhältnis, dem die Institution 'Literaturhaus' ausgesetzt ist: Auf der einen Seite bieten Literaturhäuser - dem Digitalen, das eher für Flüchtigkeit und Körperlosigkeit steht, darin opponierend - direkten, fokussierten Austausch und Authentizität an einem eigens für die Literatur reservierten Ort. Auf der anderen Seite nehmen sie an Neuentwicklungen und intermedialen Öffnungen teil. Würden sich Literaturhäuser nur auf eingeübte, exklusiv literarische Praktiken konzentrieren, wären sie nicht mehr konkurrenz- und somit nicht überlebensfähig. Sie müssen also interagieren und gleichzeitig, um ihre Existenz zu legitimieren, ihre Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen öffentlichen Kultureinrichtungen, gegenüber kommerziellen Literaturveranstaltern, aber auch gegenüber nicht-ortsgebundenen Anordnungen, wie Online-Literaturportalen, unterstreichen. Das Promotionsprojekt untersucht diese Ambivalenz zwischen Konkurrenz und Koalition. Anhand eines empirischen Vergleichs von ausgewählten Literaturhäusern in Deutschland und Skandinavien wird herausgearbeitet, wie sich Literaturhäuser im physischen und im digitalen Raum darstellen, und was diese Präsentation über den Zustand und die Aufgabe der Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung aussagt.

 

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