Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Dr. Andrea Hesse

Zur Grammatikalisierung der Pseudokoordination im Norwegischen und in den anderen skandinavischen Sprachen

Disputation:
18.4.2007 Universität Greifswald

Kontakt:
andrea.hesse@uni-greifswald.de

Publikation:
Zur Grammatikalisierung der Pseudokoordination im Norwegischen und in den anderen skandinavischen Sprachen. Tübingen/Basel: A. Francke Verlag, 2009.

Abstract:
Die Arbeit befasst sich mit der sog. Pseudokoordination (PK), einer charakteristischen und frequenten Hilfsverbkonstruktion der skandinavischen Sprachen mit zahlreichen Varianten. Typisch für dieses Muster ist, dass es oberflächlich wie eine Koordination aussieht, sich aber phonologisch, syntaktisch und semantisch wie eine Subordination aus Hilfsverb und Vollverbphrase verhält; z.B. norw. Lisa sitter og strikker. Die Untersuchung geht am Beispiel des Norwegischen vom frequentesten PK-Typ mit den Positionsverben sitte/stå/ligge aus und betrachtet dessen aspektuelle, syntaktische, phonologische und semantische Entwicklung von echten Verbalkoordinationen wie Lisa sitter på sofaen og strikker, die analog auch im Deutschen und anderen Sprachen geläufig sind, zu Hilfsverbkonstruktionen. Daran anknüpfend werden fünf weitere frequente PK-Typen (mit den Hilfsverben , holde på, drive, ta und være) sowie ähnliche Muster untersucht. Für die Analyse werden vornehmlich einige kurze Sätze und ihre Abwandlungen herangezogen mit dem Ziel, die Zusammenhänge der einzelnen PK-Entwicklungsstufen sowie die Verwandtschaft zwischen den vielen PK-Typen aufzeigen, damit eine differenzierte Theorie der PK zu entwickeln und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die allgemeine Grammatikalisierungstheorie zu ziehen. Die PK zeigt sich insgesamt als ein ausgebauter Formtyp, der für unterschiedliche Funktionen genutzt wird. Die meisten PKs markieren verschiedene Grade von Imperfektivität. Daneben bedient das Muster aber auch inchoative und absentive Funktionsbereiche (ta og lese ‚zu lesen anfangen‘; være og handle ‚einkaufen sein‘). Die PK wirkt attraktiv auf andere Syntagmen und löst damit konvergierende Entwicklungen aus (z.B. holde på (med) å lese ® holde på og lese). Sie ist aber auch ein Muster, das sich selbst weiterentwickelt. Dies zeigt sich an dialektalen Sonderformen und an der Abspaltung der kontinuativen Konstruktion bli sittende og lese ‚weiterlesen‘. Die Arbeit widmet sich außerdem einem ausführlichen skandinavischen Vergleich. Anhand einer Korpusuntersuchung wird dargelegt, welche PK-Typen und anderen Imperfektivitätsmarker in welchen nordischen Sprachen wie frequent belegt sind und inwieweit sie vom Norwegischen abweichende Eigenschaften aufweisen.

 

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