Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Katharina Fürholzer

Krankheit - Sprache - Ethik. Medizin- und literaturethische Dimensionen von Krankenbiographien (Arbeitstitel)

Betreuer:
Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf; Prof. Dr. Susanne Kramarz-Bein; Prof. Dr. Florian Steger (MLU Halle-Wittenberg)

Ort:
Graduate School "Practices of Literature", Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Kontakt:
katharina.fuerholzer(at)uni-muenster.de

Abstract:
Seien es Biographien, Romane oder Arztbriefe – die Verschriftlichung des kranken Menschen führt zu einer Grauzone zwischen Literatur( wissenschaft) und Medizin. Denn wie sich ein Schriftsteller mit der Beschreibung von Krankheit und Krankem in die Disziplin der Medizin einschreibt, nimmt auch der Arzt als Verfasser des Arztbriefes am literarischen Diskurs teil. Dem zuständigen Pathographen kommt damit nicht sowohl eine ärztliche als auch autorschaftliche Verantwortung zu. Obgleich auch in diesem Kontext eine ethische Schutzinstanz elementar wäre, scheint sie hier gänzlich zu fehlen. Die Dissertation widmet sich dieser Lücke ethischer Achtsamkeit bei Krankheitsverschriftlichungen und möchte u.a. eine gattungsspezifische Analogie zwischen dem Autor-Leser-Verhältnis und der Arzt-Patient- bzw. Pathograph-Pathographierten-Beziehung herausarbeiten.

Neben literarischen Angehörigenpathographien (aus dem skandinavischen Sprachraum z.B. Ingmar Bergman, Ingrid Bergman u. Maria von Rosen: Tre dagböcker (Stockholm 2004) oder Merete Mazzarella: Hem från festen (Stockholm 2003) als Auseinandersetzungen mit innerfamiliären Erkrankungsfällen) liegt ein Schwerpunkt der Arbeit auf der Analyse des Arztbriefes als medizinische Expertenpathographie, wobei zum fachlichen und kulturellen Vergleich aktuelle Briefe verschiedener medizinischer Diszipline (ohne Psychiatrie; Fokus auf Klinik- statt niedergelassenen Ärzten) und unterschiedlicher Gesundheitssysteme berücksichtigt werden (v.a. Deutschland, England, Schweden).

Methodisch soll zum einen über eine literaturwissenschaftliche Lesart (v.a. Theorien zur Narrativität, Narrativen Identität und Transtextualität) zum Tragen kommen, um das medizinische Begriffsbewusstsein für literaturwissenschaftliche Kategorien wie Gattung, Text, Autor- und Leserschaft zu schärfen und somit ein Verständnis für die Auswirkungen des Autor-Leser-Verhältnisses auf die Arzt-Patient-Beziehung herbeizuführen. Zum anderen werden über eine medizinethische Analyse Theorien zur Allokationsethik und Vier-Prinzipien-Ethik an die ausgewählten Texte angelegt, um die Notwendigkeit einer auf den spezifisch schriftlichen Kommunikationskontext bezogenen Medizinethik zu untersuchen. Vordergründig interessiert dabei das Verhältnis von 1.) Ausdruck und Gerechtigkeit (Wie ist die Zugänglichkeit von (schriftlichen/mündlichen, faktualen/fiktionalen) Ausdrucksräumen nach Gerechtigkeitspunkten zu beurteilen?), 2.) Text und Autonomie (Wo und wie führen textinhärente Verfahren (z.B. intertextuelle Bezüge oder Paratexte zum Ausschluss des Kranken aus der medizinischen Kommunikation?) sowie 3.) Biographie und Identität (Beeinflussen biographische Textelemente die Identitätsbildung des Kranken?).

 

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