Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Frederike Felcht

Grenzüberschreitende Geschichten. H. C. Andersens Texte aus globaler Perspektive

Betreuer:
HD Dr. Uwe Steiner (Universität Mannheim) und Prof. Dr. Heinrich Anz (Universität Freiburg und Universität Berlin)

Kontakt:
Frederike-Felcht@gmx.de

Abstract:
Die Arbeit versteht sich als Beitrag zu einer kulturwissenschaftlichen Literaturwissenschaft und besteht aus drei Teilen. Im Kern setzt sie sich aus einer globalisierungstheoretisch fundierten Perspektive mit ausgewählten Eventyr og Historier Hans Christian Andersens auseinander, dies ist der dritte Teil der Arbeit. Dazu bedarf es der Entwicklung von Fragestellungen, die sich aus einer solchen Perspektive ergeben. Diese Fragen werden in Teil 1 der Arbeit vorgestellt. Sie ergeben sich aus der Schnittmenge von globalisierungstheoretisch relevanten Ansätzen mit Themen, die in den ausgewählten Texten verhandelt werden und ihren Entstehungszusammenhang prägten. Hier greife ich einerseits auf philosophische, kulturtheoretische und literaturwissenschaftliche Überlegungen zurück, andererseits auf Arbeiten aus der historischen Globalisierungsforschung. Globalisierung wird mit letzteren als längerfristiger geschichtlicher Prozess begriffen (vgl. z. B. Bayly 2006; Fäßler 2007; Osterhammel / Petersson 2006). Durch die Bezugnahme auf postkoloniale Historiografiekritik und Walter Benjamins Geschichtsphilosophie wird Globalgeschichtsschreibung jedoch zugleich problematisiert und es wird nach Wegen gesucht, Geschichte nichttotalisierend zu erzählen. Hierbei können Andersens Texte selbst inspirierend sein. Zentrale Fragen der Arbeit sind:

- Welche Konzeptionen von Zeit begegnen uns in Andersens Texten und in welchem Verhältnis stehen sie zu ihrem historischen Kontext?
- Welche Räume und Weltbilder konstruieren die Texte? Wie verhalten sich die Texte zu historischen Prozessen wie der Entstehung von Netzwerken oder nationalistischen Grenzziehungen?
- Welche Formen von Wissen finden sich in den Texten und wie verhalten sie sich zueinander?
- Wie prägen literarische und kulturelle Übersetzungsprozesse die Texte und deren Geschichte?

Besonderes Augenmerk wird auf die Rolle von Dingen in der Literatur gelegt. Diese Gewichtung erfolgt einerseits, da in der Dingwelt von Andersens Texten die zentralen technischen Innovationen und ökonomischen Veränderungen, die frühen Globalisierungsprozessen eine neue Schubkraft verliehen, ihren Ausdruck finden.
Darüber hinaus geht die Infragestellung des eigenen Selbstverständnisses in den Texten oft von der irritierenden Macht der Dinge aus. Dabei wird das scheinbar außereuropäische und unaufgeklärte irrationale Verhältnis zu Dingen in der eigenen Kultur verortet, ohne als Gegenstand der Überwindung betrachtet zu werden. Stattdessen stellen Ding-Personenbeziehungen einen Motor der Einbildungskraft dar, der die literarischen Weltentwürfe ermöglicht. Deutlich wird dabei auch, dass Handeln immer unter (materiellen) Bedingungen steht. Der Umgang mit Dingen in den behandelten Texten kann zum Teil als Alternative zu Identitätsmodellen wie dem bürgerlichen autonomen Subjekt und dessen Rationalität begriffen werden (vgl. auch Böhme 2006; Latour 1995).
In Teil 2 positioniere ich die Eventyr og Historier in ihrem historischen Kontext, der ebenfalls von einer globalisierungstheoretischen Position aus gedacht wird. Dabei verwende ich autobiographische Texte sowie die Reisebücher Andersens, um mich dem historischen Kontext anzunähern. Diese globalisierungstheoretische Position hat, da sie aus einer sehr engen Auseinandersetzung mit den Texten und ihrem Entstehungszusammenhang entwickelt wird, keine Allgemeingültigkeit. Dies entspricht dem aktuellen Stand philosophisch fundierter Globalisierungstheorie: Globalisierung lässt sich nicht unabhängig vom Betrachter und Betrachteten denken (vgl. Badura 2006a, 2006b). Neben Globalisierungstheorien integriere ich natürlich auch theoretische Ansätze, die sich nicht als solche verstehen (zum Beispiel, weil der Begriff Globalisierung zu ihrer Entstehungszeit noch nicht existierte), sofern sie zur Erhellung eines Problems beitragen können. Hierzu zählen insbesondere Marxismus, Kritische Theorie und Postkolonialismus. Konkret gehe ich in Teil 2 Fragen der Raumwahrnehmung, -gestaltung und –erfahrung nach, die ich anhand von Motiven wie dem Interieur, der Stadt, der Reise, der Entstehung von personellen Netzwerken und dem grenzüberschreitendem Warenverkehr (auch anhand des Buchmarktes) erkunde.
In Teil 3 widme ich mich ausgewählten Eventyr og Historier aus drei Einfallswinkeln. Das erste Unterkapitel von Teil 3 betrachtet die Texte aus einer ökonomischen Perspektive, in der die Figur der Ware eine zentrale Bedeutung einnimmt. Im zweiten Unterkapitel gehe ich der Dynamik der Dingwelt nach, im dritten Unterkapitel werden Vernetzungsprozesse behandelt.

 

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